Wir trauern um Ralph Giordano

Am 10.12.2014 verstarb mit Ralph Giordano einer der zweifelsohne größten Denker der Neuzeit. Sein Werk „Die armenische Frage existiert nicht mehr“ war bahnbrechend für die Thematisierung der Verbrechen des Osmanischen Reichs und seines Nachfolgestaats, der türkischen Republik, sowie für die Offenlegung der zweifelhaften Intentionen deren verlängerter Arme in Deutschland und Europa.

 

  „Lassen Sie mich noch ein Wort sagen zu der höchst zwielichtigen Rolle der geradezu inflationär emporschießenden türkisch-muslimischen Migrantenverbände in Deutschland, allen voran die am Tropf der türkischen Religionsbehörde Diyanet hängende Ditib, die Türkisch Islamische Union der Anstalten für Religion e.V. Obwohl sie dauernd ihre Treue zum Grundgesetz beteuert, hielte ihr vorgegebenes laizistisches Islamverständnis einer näheren Prüfung nicht stand. Türkische Kritiker halten sie für von radikal-nationalistischen Organisationen unterwandert und nennen Querverbindungen zu Verbänden und Parteien, die statt auf Integration auf kulturelle Identitätsbewahrung der Immigranten und ihrer Nachkommen hinarbeiten. Dazu wird bekannt, dass Ditib-Imame eine Sonderausbildung erhalten, die den Völkermord an den Armeniern 1915/16 im türkisch-osmanischen Reich zu einem „Mythos“ erklärt – „Auschwitz-Lüge“ auf Türkisch.“ (http://www.focus.de/politik/cicero-exklusiv/tid-7505/cicero-exklusiv_aid_133895.html)

„1986 veröffentlichte Ralph Giordano den Dokumentarfilm „Die armenische Frage existiert nicht mehr – Tragödie eines Volkes.“ Giordanos Film löste in Deutschland eine Welle türkischer Proteste aus. Giordano selbst wurde von türkischer Seite massiv bedroht und beschimpft. Nach der Erstausstrahlung 1986 blieb der Film bis 2005 beim WDR unter striktem Verschluss, der zeitweilig sogar die Existenz des Filmes bestritt. Die Heinrich Böll Stiftung bezeichnete Giordanos Film als „bahnbrechend“.“ (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ralph-giordano-mit-91-jahren-in-koeln-gestorben-a-1007688.html)

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Bild: http://medien.neopresse.com/Ralphgiordano.jpg

 

 

Seine sog. schärften Kritiker leugnen oft mindestens einen der vier, gemäß der Definition von Raphael Lemkin, einwandfrei belegten, Völkermorde des 20. Jahrhunderts (chronologische Reihenfolge):

1. Osmanisches Reich gegenüber Armeniern, Aramäern, pontischen und ionischen Griechen sowie Kurden jesidischen Glaubens,

2. Nazi-Deutschland gegenüber den Juden in Europa,

3. Der Völkermord des Regimes der Roten Khmer am eigenen Volk in Kambodscha,

4. Der Völkermord der Hutu an den Tutsi in Ruanda.

In den sozialen Netzwerken waren anlässlich seines Todes neben bewegenden Worten auch leider immer wieder pietätlose und unqualifizierte Hasstiraden zu lesen. Sie wurden verfasst von türkischen Nationalisten, Neonazis sowie extremen Stalinisten, die die Verbrechen der Roten Khmer nicht wahrhaben wollen.

Von solchen Menschen, die man landläufig auch Volksverhetzer nennt, Pietät oder auch nur ein Mindestmaß an Empathie zu verlangen, übersteigt leider deren Horizont und emotionale Intelligenz um ein Vielfaches.

 

Wir wünschen der Seele von Ralph Giordano, dass sie in Frieden ruhen möge, während seine klaren und (für manche Menschen zu) ehrlichen Worte in uns weiter leben.

Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit und möchten mit folgendem Zitat schließen:

„Ein Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ (Bertolt Brecht)

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Ein Kommentar zu „Wir trauern um Ralph Giordano

  1. Das Zitat von Bertold Brecht (“Ein Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.”) stammt ursprünglich aus dem Talmud und lautet: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“.
    Der große Mahner und Schriftsteller Ralph Giordano ist nun seinem engen Freund und Weggefährten Wolfgang Leonhard, der im August dieses Jahres verstarb, gefolgt.
    Baruch Atah Adonay, Eloheynu Melech Haolam, Dayan Ha-Emet!

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