Jürgen Todenhöfer hält kurdische YPG im Kampf gegen die Mordbanden des IS für nicht erwähnenswert

Er hat es wieder getan. Jürgen Todenhöfer, Meister der unsachlichen und historisch wie auch sozialwissenschaftlich unwahren, aber leider extrem öffentlichkeitswirksamen, Emotionalisierungen, macht ein weiteres Mal deutlich, wessen Politik er propagiert.

Nicht nur, dass er sich mit Mordbanden einer Gruppierung mit klaren genozidalen Absichten trifft, um diese in den nächsten Wochen – um dies zu wissen, muss man kein Prophet sein – zu verharmlosen, und so mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Opfer deren Massaker, post mortem zu verhöhnen. In seiner für ihn charakteristischen emotionolasierenden Art schreibt im dritten Absatz seines Facebookbeitrags vom 16. Dezember 2014 (https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/photos/a.10150173554135838.304529.12084075837/10152639383885838/?type=1&theater):
„Ich habe diese schwierige Reise nicht unternommen, weil Papst Franziskus kürzlich gefordert hatte, man müsse auch mit dem IS sprechen. Sondern weil ich seit über 50 Jahren immer mit allen Seiten spreche. In Syrien sprach ich – von einigen Schreibtischstrategen heftig kritisiert – mit Präsident Assad, aber auch mit Al Qaida und der FSA. In Afghanistan mehrfach mit Präsident Karsai und mit Führern der Taliban. Und während des Irakkrieges mit der schiitischen Regierung des Irak und mit dem sunnitischen Widerstand.

Dieses Zitat lässt sehr tief blicken. Wieder einmal ignoriert er die kurdischen Verteidungskräfte YPG und Peshmerga. Damit macht er zum wiederholten Male deutlich, dass er keine Thematisierung des Schicksals der vorwiegend Kurden, aber auch der ebenso in den beiden militärischen Einheiten für ihre Freiheit kämpfenden Turkmenen, Armenier, Aramäer / Assyrer / Chaldäer, Drusen und vorwiegend katholischen Araber und Nusayrinaraber wünscht. Seine Fangemeinde nimmt dies wie immer kritiklos hin.

Wir veröffentlichten darüber bereits diese Artikel:

1.) https://kurmenistan.wordpress.com/2014/08/11/jurgen-todenhofer-kennt-kein-mitgefuhl-fur-kurden-schiiten-und-christen/

2.) https://kurmenistan.wordpress.com/2014/09/08/jurgen-todenhofer-diskreditiert-erneut-den-kurdischen-kampf-gegen-isis-is/

Er behauptet mit allen Seiten zu sprechen und erwähnt, vermutlich mit voller Absicht die einzige Kriegspartei, die die Prinzipien der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Volksgruppen und Religionen (sunnitische Muslime, schiitische Muslime, Yêzîdîn, Aleviten, orthodoxe Christen, Drusen, Katholiken) konsequent umsetzt, nicht!

Erinnert man sich an diesen Artikel (https://kurmenistan.wordpress.com/2014/10/05/rebwar-rashed-nein-zur-turkischen-pufferzone-in-westkurdistan/), fallen schnell Parallelen zur Politik eines prominenten ISIS-Unterstützerstaates auf.

Diejenigen, die Todenhöfer ignoriert: Zwei auf Seiten der kurdischen YPG im Kampf gegen den IS gefallene assyrische Kämpfer. Foto: https://www.facebook.com/683325698358636/photos/a.683328488358357.1073741827.683325698358636/893603763997494/?type=1&theater

Ausgerechnet Todenhöfer, der immer wieder dem Westen eine „Teile und Herrsche – Politik“ vorwirft, outet sich immer wieder als glühender Verfechter des Beibehalts der Sykes-Picot-Grenzen. Also Grenzen, die vor hundert Jahren von ehemaligen Kolonialmächten nach einem lupenreinen „Teile und Herrsche – Prinzip“ gezogen wurden.

Der Wolf im Schafspelz gibt vor friedlich zu weiden. Liest man jedoch zwischen den Zeilen, stellt man schnell fest, dass er wieder feste zugebissen hat. Er holt nun zu seinem nächsten Meisterstück aus, und wer seine ihm blind folgenden Groupies, kennt, weiß, dass er Erfolg haben wird.

Es ist zu befürchten, dass auf seiner Facebookseite mehr noch als ohnehin schon, in den nächsten Wochen die Absicht des ISIS ganze Völker und Religionsgemeinschaften in der Region auszurotten, salonfähig gemacht werden wird. Dazu wird er seine gewohnte Mittel einsetzen, Emotionalisierungen, schockierende Bilder, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt und alibimäßig eingestreute  und dem selben Schema folgenden Beiträge über die Lage im Gazastreifen.

Seine nadelstichartig gesetzten Seitenhiebe gegen die kurdischen Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegungen sowie deren Verbündete und Unterstützer im Sommer und Spätsommer waren, so scheint es, die Vorhut, für seine jetzige Aktion.

Ob er sich Anfang der 1940ern auch mit den Nazis oder in den 1970ern mit den Roten Khmer getroffen hätte? – Wahrscheinlich lautet die Antwort ja!

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3 Kommentare zu „Jürgen Todenhöfer hält kurdische YPG im Kampf gegen die Mordbanden des IS für nicht erwähnenswert

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