Dr. Jan Best de Vries: Die Botschaft des politischen Islam und Rojavas Antwort der Einigkeit

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Aus unbekannten Gründen wird in der westlichen Welt eine Unterscheidung zwischen „moderaten“ Islamisten, wie Herrn Erdogan, und „radikalen“ Islamisten wie Herrn Al-Bagdhadi, vorgenommen. So lange wie in Westasien (Rojava) und Europa (Paris) von Dschihadisten „Allahu akbar“ gerufen wird, um Vergewaltigung, Mord und Zerstörung zu rechtfertigen, ist diese Unterscheidung tendenziell befremdlich, denn es ist der politische Islam selbst, der offenbar eine Basis für die Gier nach Vergewaltigung, Mord und Zerstörung geschaffen hat. Jetzt, da sich das Kalifat der Terrorarmee Islamischer Staat mehr und mehr als von der Türkei erschaffen erweist, ist die o.g. Unterscheidung in „moderat“ und „radikal“ in ihrer aktuellen Form nicht mehr zeitgemäß. Vor diesem Hintergrund sollte sowohl Kurden in Kobane als auch Franzosen in Paris klar werden, dass die Position der Türkei als Mitglied der NATO zur fragwürdigsten Mitgliedschaft der Gegenwart geworden ist.

Der katholische Priester Pater Douglas, den ich die Freude hatte, letzte Woche in Erbil inmitten von Zelten voll christlicher Flüchtlinge aus der Region Mosul interviewen zu dürfen, berichtete mir, dass keiner der Flüchtlinge hätte überleben können, wenn nicht die Peshmerga sie geschützt hätten. Man sollte natürlich ergänzend erwähnen, dass dies auch für die Jesiden und Juden der Region gilt. Obwohl in Bashut und auch Rojava Religionsfreiheit existiert, fragt man sich schon, ob in den demokratischen kurdischen Autonomiegebieten in Westasien eine gewisse Methode der Säkularisierung und Deislamisierung (viele Menschen in diesen Regionen wurden mehr oder weniger zwangsislamisiert) nicht wesentlich zu Frieden und Wohlstand in der Region beitragen würde.

Letzte Woche hielt ich eine Vorlesung über die Geschichte der Kurden an der mesopotamischen Akademie von Qamishlo. Was mich dabei berührt hat, war die Freundlichkeit und Toleranz der Menschen, die ich während meiner Ausflüge nach Dschazira, zu einem YPG Militärgelände in Amudai mitinbegriffen, und zur Ster Akademie, wo sich ein Studienzentrum für Feminismus und ein Ausbildungszentrum für weibliche Kämpferinnen und Verkehrspolizistinnen befindet, getroffen habe. Auf beiden Akademien ist Religion kein wirkliches Thema, denn unter den Lehrkräften und Studenten findet man allerlei unterschiedliche ethnische und religiöse Herkünfte. Man trifft sekuläre und gläubige Muslime, Christen und Angehörige des zoroastrischen Glaubens, die alle durch ein gemeinsames Ziel vereint sind: Ein auf Demokratie basierendes Rojava aufzubauen.

Warum ist das so? – Weil die ethnisch heterogene Bevölkerung Rojavas große Langzeiterfahrung damit hat, dass ausschlielich politischer Islam immer zu einer Diktatur und darunter leidender Bevölkerung führen wird. Meine Eindrücke, die ich durch die Diskussionen mit den Menschen, die ich in Rojava treffen durfte habe, sind dass indigene Kurden, Assyrer und Araber in Frieden leben, und von nun an mutig den politischen Islam mit allen Mitteln bekämpfen.

 

Der Autor:

Dr. Jan Best de Vries ist Archäologe und Geschichtswissenschaftler. Er wurde bekannt durch die Entschlüsselung des sog. Byblosskripts von Aleppo und Alakh (‘How to Decipher the Byblos Script’, Aspekt Publishers 2014, ISBN978-946-153-420-0)  

 

Quelle und englischsprachiger Originaltext:

http://kurdistantribune.com/2015/message-of-political-islam-rojava-answer-unity/#comment-254442

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