Antisemitische Verschwörungen und IS-Sympathie: Durch Charlie Hebdo fällt die Maske der AKP

Die rhetorischen Rundumschläge türkischer AKP-Politiker nehmen kein Ende. Traditionellen Feindbildern wie Kurden, Armeniern oder Griechen die Schuld an den Massakern von Paris zu geben, wäre zu dubios und würde vermutlich keine Beachtung finden. Also versucht man zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Einerseits bindet man die eigene Wählerschaft stärker an sich, erntet weitere Sympathien in der arabischen Öffentlichkeit, und macht sich außerdem noch zum Sympathieträger einer immer stärker werdenden rechts- linksradikalen, im Antisemitismus vereinten Querfront in Mittel- und Nordeuropa. Das erreicht man, indem ein anderes beliebtes Feindbild herhalten muss: Israel.

 

Kleine Presseschau

In einem Bericht von „Israel Heute“ heißt es:

„Die türkische Regierung setzt ihre verbalen Attacken gegen Israel und ihre Regierung fort. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat seinen israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu mit den islamistischen Terroristen von Paris verglichen.“

(http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/28131/Default.aspx)

 

Zuvor hatte Ahmet Davutoğlu die PEGIDA-Demonstranten mit der mordenden Armee des IS verglichen, und wie seit der Machtübernahme der AKP immer wieder, ob ein Anlass besteht oder nicht, „dem Westen“ Islamophobie vorgeworfen.

 

Die „Junge Welt“ schreibt zur aktuellen antisemitischen Stimmungmache und Doppelzüngigkeit der AKP:

»Wir als Muslime standen niemals auf der Seite des Terrorismus, wir standen niemals auf der Seite von Massakern«, behauptete Erdogan, während der IS bei seinen Angriffen auf Syrien weiterhin von türkischem Territorium aus operieren kann und dort über Infrastruktur wie Krankenhäuser und Ausbildungscamps verfügt.

Der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökcek, wiederum sieht den israelischen Geheimdienst Mossad als Drahtzieher der Anschläge, die er als Vergeltungsaktion für die Entscheidung der französischen Nationalversammlung, den Staat Palästina anzuerkennen, begreift. Dies sei ein Versuch, den Hass gegen Muslime in Europa weiter anzuheizen, so der AKP-Politiker.

In einigen islamistischen Kreisen der Türkei wurde offene Sympathien für die Pariser Attentäter geäußert. So wurden in der Stadt Tatvan am Vansee die von der französischen Polizei getöteten Brüder Said und Chérif Kouachi, die das Massaker in der Charlie Hebdo-Redaktion begangen hatten, in Aushängen der Stadtverwaltung als »Märtyrer« gefeiert. »Grüße an die Kouachi-Brüder, die Rache für den Propheten Allahs genommen haben«, heißt es dort. Die von der AKP gestellte Stadtverwaltung weigerte sich laut einer Meldung der kurdischen Nachrichtenagentur Bestanuce trotz empörter Reaktionen aus der Bevölkerung, die Plakate abzunehmen.

Urheber der namentlich nicht gekennzeichneten Plakate könnte eine der religiösen Bruderschaften sein, auf die sich die AKP stützt.

(https://www.jungewelt.de/2015/01-15/004.php)

 

Israel gibt Kontra, Merkel sitzt aus

In Deutschland befeuern der AKP nahe stehende Blogs und Medien wie die Deutsch Türkische Zeitung, kurz DTZ, mit Artikeln wie „Die Ungereimtheiten der Charlie Hebdo Morde“ von Ali Yildirim, die antisemitischen Verschwörungstheorien, um die hiesige türkischstämmige Bevölkerung auf Regierungskurs zu halten. Außerdem sollen so neue Fans in der immer größer werdenden Community der selbsternannten Medienkritiker gewonnen werden, die sich auf jede noch so schwammige Verschwörungstheorie stürzt, in der, egal wie fadenscheinig und schwach die Argumente auch seien mögen, bloß dem Feindbild Israel bzw. dessen Geheimdienst, dem Mossad die Schuld an allem Übel auf der Welt gegeben wird. Der ansonsten ähnlich agierende deutschsprachige Ableger der türkischen Zeitung Zaman, Sprachrohrs der Sekte um Fetullah Gülen, Deutsch Türkisches Journal, kurz DTJ, sieht bislang von solchen Verschwörungstheorien ab, was augenscheinlich am Zwist zwischen Gülen und Erdoğan liegt.

Es bleibt zu hoffen, dass Israel seine Lehren aus der nunmehr fast fünf Jahre andauernden Antikampagne der AKP-Regierung ziehen wird, und in Zukunft von jedweder Beteiligung an der Bekämpfung der kurdischen Freiheitsbewegung, wie z.B. bei der Entführung Abdullah Öcalans oder den Drohnenangriffen von 2007 auf kurdische Stellungen in Rojava (Westkurdistan / Nordsyrien), absieht.

Netanjahu und Liebermann jedenfalls reagierten, wie schon im Sommer (https://kurmenistan.wordpress.com/2014/07/19/klage-gegen-turkische-kriegsverbrechen-in-zypern-in-den-haag-eingereicht/) mit klaren Worten in Richtung Ankara. Sie legten damit eine Konsequenz an den Tag, die der, trotz aller Attacken, weiterhin auf Schmusekurs mit Ankara befindlichen Bundeskanzlerin weierhin fern ist. Sie legt gegenüber AKP-Repräsentanten und Lobbys eine extrem devote Zurückhaltung an den Tag, während sie gleichzeitig immer häufiger rhetorische Salven in Richtung Kreml abfeuert.

 

 

Empfehlenswertes Video zum Thema:

„Rayk Anders nimmt Verschwörungstheorien über Charlie Hebdo auseinander“

https://plus.google.com/+DuhastdiemachtDeofficial/posts/B6RTmtB8TFX

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