Jerusalem Post: Die tödlichen Attacken gegen Kurden in der Türkei setzen sich fort

Seit dem 27. Dezember 2014 wurden sechs kurdische Zivilisten in der Provinz Sirnak getötet. Nur ein einziges der Todesopfer war älter als ein Teenager. Ein weiteres wird niemals einer werden.

Diese Tötungsfälle ereigneten sich nicht während des bewaffneten Konflikts zwischen der PKK und der türkischen Armee, sondern zu Zeiten des sogenannten „Friedensprozesses“ zwischen der regierenden AKP und dem Vorsitzenden der kurdischen Arbeiterpartei, PKK, Abdullah Öcalan, der auf der Gefängnisinsel Imrali in Einzelhaft sitzt.
Die Nachrichtenagentur „Dicle News Agency“ berichtete am 27. Dezember, dass in Zivil gekleidete Sicherheitskräfte, vermutlich Mitglieder der islamistischen Hur Dava (Nachfolgeorganisation der kurdisch-türkischen Hizbullah) zusammen mit Scharfschützen wahllos das Feuer auf Bewohner des Stadtteils Nur in Cizre eröffneten.

An diesem Tage wurden Yasin Özer (19 Jahre alt), Baris Dalmis (15 Jahre alt), und Zeki Alar (32 Jahre alt) getötet. Mindestens 10 weitere Personen wurden verletzt.

Die Menschenrechtsorganisation IHD in Sirnak berichtete, dass Spezialeinheiten und eine Gruppe in Zivil gekleideter Männer angeführt von einem gepanzerten Polizeifahrzeug und begleitet von Scharfschützen, die sich im obersten Stockwerk des Gebäudes der Kulturdirektion der Provinz aufhielten, die Häuser von Zivilisten im Stadtteil Nur angegriffen haben.

Im Bericht heißt es weiter: „Sowohl bei diesem, als auch bei anderen Zwischenfällen in der jüngeren Vergangenheit ging die Polizei mutwillig und häufig mit Tränengas vor. Dabei übte sie keinerlei Rücksicht gegenüber Frauen, Kindern, Ladenbesitzern oder anderen Zivilisten. Die Polizei feuerte willkürlich und untergrub so jede Form der öffentlichen Ordnung. Aus Polizeifahrzeugen waren laute aggressive Märsche wie „Ölümrüm Türkiyem“ (Ich würde für meine Türkei sterben) zu vernehmen. Die Beamten betonen oft ihre Verbundenheit zum Türkentum und beleidigen Kurden auf diskriminierende Art und Weise. So provozieren sie die Bevölkerung und ebnen den Weg für weitere Zwischenfälle.

Dem brutalen Polizeieinsatz gegen kurdische Aktivisten fiel darüber hinaus ein Jugendlicher in Silopi zum Opfer. Um gegen die tödlichen Angriffe in Cizre zu protestieren, hatten die Aktivisten am 27. Dezember eine Landstraße blockiert. Die Polizei setzte daufhin Gasbomben, Pfefferspray und scharfe Munition ein.

Während des Polizeieinsatzes wurde der 16jährige Musa Azma von einer Kugel der Polizei getroffen, als er sich das Geschehen vom Balkon seines Hauses aus ansah. Er verstarb am 03. Januar 2015 nach sechs Tagen auf der Intensivstation an seinen Verletzungen.

Am 06. Januar wurde der 14jährige Ümit Kurt von einem gepanzerten Polizeifahrzeug aus in Cizre erschossen. Sein Vater Abdullah Kurt gab an, sein Sohn sei nach einer halben Stunden auf offener Straße verblutet.

Kurt kritisierte außerdem die Anordnung, die Untersuchung des Todes von seinem Sohn mit einem „Vertraulichkeitsbefehl“ zu versehen. „Die Anordnung der Vertraulichkeit bedeutet, dass die Täter freigesprochen werden“, erklärte er weiter.

Am 14. Januar wurde der 12jährige Nihat Kazanhan durch einen Kopfschuß getötet. Sein Onkel Yusuf Kazanhan sagte gegenüber der türkischen Tageszeitung Radikal: „Es gab in unserem Viertel keinerlei Zwischenfälle. Nihat ist nach draußen gegangen, um Freunde zu treffen. Nur kurze Zeit später hat man uns darüber informiert, dass er ins Krankenhaus gebracht wurde. Zeugen haben uns erzählt, dass ein gepanzertes Fahrzeug auf Nihat geschossen habe, als er die Umgehungsstraße überquerte.“

https://i1.wp.com/www.imgbox.de/users/public/images/JGPXQRvnlu.gif
Nihat Kazanhan wurde nur zwölf Jahre alt Bilder: http://www.imgbox.de/users/public/images/JGPXQRvnlu.gif

Der Friedensprozess hat die menschenrechtliche Situation der Kurden in der Türkei nicht verbessert. Außer Tod und Gefängnis hat er ihnen nichts eingebracht. Während dem bewaffneten Konflikt zwischen der PKK und der türkischen Armee wurden kurdische Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, massenhaft ermordet. Und nun, während des „Friedensprozesses“ scheint sich nichts verändert zu haben. Kurden werden weiterhin brutal ermordet. Keinem der Mörder wird der Prozess gemacht. Deswegen dreht sich die Spirale der Gewalt weiter.

Faysal Sariyildiz, ein kurdisches Mitglied des türkischen Parlaments für die Partei HDP, berichtete, dass im letzten Jahr 3.490 Menschen wegen ihres Einsatzes für die kurdische Sache vorübergehend in Gewahrsam genommen wurden, 880 wurden dauerhaft inhaftiert und 25 Menschen getötet.

 

 

Textquelle: Jerusalem Post

Der komplette Artikel in englischer Sprache:

http://www.jpost.com/Opinion/Deadly-attacks-against-Kurds-in-Turkey-continue-389675

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s