Meydan TV sendet von Berlin aus für eine freiere Gesellschaft in Aserbaidschan

In diesem Jahr sollen die Europaspiele in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattfinden.

Aserbaidschan gilt aufgrund seines Ölreichtums bei Vertretern der Wirtschaft in Europa als Staat, mit dem man aus wirtschaftlichen Gründen Beziehungen pflegen sollte.

Andererseits ist der Staat zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus für sein diktatorisches Regime und seine Menschenrechtsverletzungen bekannt.

Emin Milli, Redaktionleiter von Meydan TV, Bild: Youtubescreenshot: https://www.youtube.com/watch?v=MGm6u0fCq2U
Emin Milli, Redaktionsleiter von Meydan TV, Bild: Youtubescreenshot: https://www.youtube.com/watch?v=MGm6u0fCq2U

Seit dem April 2014 sendet der wohl bekannteste unabhängige aserbaidschanische Sender „Meydan TV“ rund um den Oppositionellen Emin Milli von seinem Berliner Exil aus.

Milli beschreibt das Weltbild, das von der Diktatorenfamilie Aliyev in den, von ihr kontrollierten, staatlichen Medien vermittelt wird, und seine Beweggründe Meydan TV auszustrahlen, wie folgt: „Wenn Sie sich das staatliche Fernsehen Aserbaidschans ansehen, bekommen Sie den Eindruck vermittelt, es sei der Himmel auf Erden, während außerhalb des Landes alles kollabiert, Europa kollabiert, alles kollabiert. Daher haben wir Meydan TV gegründet. Wir wollen der Welt ein unabhängiges aserbaidschanisches TV bieten. Das ist mein Traum“.

Der in London studierte Orientalist und Afrikanologe, Milli, ist überzeugt, dass das Berliner Exil seines Senders ihm die Möglichkeit gibt, seine „bescheidene“ Infrastruktur aufrecht zu erhalten, was, so Milli, in Aserbaidschan niemals möglich wäre.

Im August 2014 twitterte er, Armenier und Aserbaidschaner sollen gemeinsam „Dolma“ (gefüllte Paprika oder in Aserbaidschan, Armenien, Georgien und dem Iran auch gefüllte Weinbergblätter, die in der Türkei „sarma“ heißen) machen, statt sich zu bekämpfen (https://twitter.com/eminmilli/status/497496609374994433), und erreichte damit eine hohe Verbreitung und Zustimmung bei Menschen aus beiden Staaten.

Ein weiteres Mitglied von Meydan TV ist Social Media Manager Habib Müntezir. Er gab in Aserbaidschan ein Satiremagazin heraus. Der Regierung war dies zu kritisch und sie sendete ihm eine List mit den Adressen seiner Verwandten. Daran geknüpft war die Drohung sie zu ermorden, würde er nicht sein Magazin schließen. Er zog es vor, weiter zu machen und ging mit seiner Familie ins Exil.

Die Beweggründe für seine Aktivität bei Meydan TV beschreibt er folgendermaßen: „Ich möchte die Kreativität der Aserbaidschaner wecken. Ich weiß, dass sie kreativ sein können. Aber sie müssen entfesselt werden.“

Bei Meydan TV arbeiten verschiedene Journalisten mit verschiedenen Meinungen und religiösen Überzeugungen.

Das Aliyev-Regime betrachtet sie als Staatsfeinde. Sie selbst tun das nicht. Einige geben an, ihr Land zu lieben, nicht aber dessen aktuelles System.

Die Redaktion träumt davon, eines Tages als Teil einer pluralistischen Medienlandschaft von Baku aus senden zu können.

Zur Zeit thematisieren die Journalisten u.a. Themen wie politische Inhaftierungen, von z.B. der Anwältin Leyla Yunus oder der Journalistin Khadiya Ismayil.

 

Quellen:

Kurzdokumentation (7:52min) über Meydan TV in englischer Sprache:

https://www.meydan.tv/en/site/culture/4030/Satellite-Rides-Short-Documentary-Film-on-Meydan-TV.htm

Seite von Meydan TV, z.Zt. verfügbar in englischer, russischer und azeri-türkischer Sprache:

http://www.meydan.tv/

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