ISIS-Offensive auf assyrische Dörfer in Hassaka (Syrien): 4 Tote, Dutzende verschleppt, Kirchen brennen

Beschuss der assyrisch-aramäischen Kirche Mar Bisho in Tel Shamiran; Bild: AINA

Die Provinz Hassaka in Nordsyrien steht seit dem gestrigen Spätnachmittag unter Beschuss des IS. Assyrische und kurdische Verteidigungseinheiten leisten Widerstand. Die Offensive trifft die assyrischen Dörfer Tel Goran, Tel Hurmiz, Tel Tamar, Tel Baloaa, Tel Shamiran, Tel Riman, Tel Nasra, Tel Khareta, und Abu Tena. In Tel Tamar dauern die Kämpfe derzeit an. Sowohl die kurdische YPG als auch assyrische Verteidiger, von der sog. Natoreh-Miliz, stellen sich den Islamisten entgegen. 4 assyrische Verteidiger und 10 Islamisten wurden getötet.

Dutzende assyrische Frauen, Kinder und Männer wurden durch den IS verschleppt, darunter 12 aus Tel Hurmiz und 15 aus Tel Goran. Sie werden nach Jabal Abdul Aziz gebracht. Ca. 50 Einwohner von Tel Shamiran und ca. 40 Einwohner von Tel Jazira werden vom ISIS in ihren Heimatdörfer gefangen gehalten.

Lt. Newsweek soll durch die assyrischen Geiseln gegenüber der kurdischen YPG ein Gefangenenaustausch erzwungen werden.

Viele Kirchen wurden zerstört, u.a. die Kirche von Tel Hurmiz, eine der ältesten Kirchen von ganz Syrien. Ebenso wurden die Mar-Bisho-Kirche in Tel Shamiran, die Kirche von Qabr Shamiy und die Kirche von Tel Baloua zerstört.

Es gibt in der Region 35 benachbarte assyrische Dörfer auf beiden Seiten des Flusses Khabur, die sich in einem Umkreis von 80 Kilometern westlich von Hassakas in Richtung Rasa al-Ain befinden. Die noch ca. 3.000 verbliebenen Einwohner dieser Dörfer wurden nun evakuiert. Die meisten finden in Hasaka Zuflucht, während ungefähr 200 in Qamishlo untergebracht werden.

Assyrisch-aramäische Christen werden auf ihrer Flucht vor dem IS in die Kirche St.Maria in Hasaka gebracht.; Bild: AINA

In Hassaka half bislang die Assyrisch-Demokratische-Organisation den assyrischen Flüchtlingen mit Obdach und Nahrung.

Die englischsprachige assyrische Nachrichtenagentur AINA sprach telefonisch mit Hani Zaya, dessen Eltern in Tel Goran lebten und offenbar verschleppt wurden. Laut Herrn Zaya wurden sie durch ortskundige Araber verschleppt, die den assyrischen Dorfbewohnern bekannt sind, und in sog. „Sicherungshäuser“ in benachbarten Dörfern gebracht. Alle Versuche mutmaßliche Gefangene telefonisch zu erreichen schlugen bislang fehl. Alle Telefongespräche wurden von Angehörigen des ISIS beantwortet, die immer wieder betonten, es gäbe nichts, was man für die Gefangenen tun könne.

Eine im US-Bundesstaat Indiana lebende assyrische Frau gab an, ihre Schwester, Mutter und Vater seien aus Tel Jazira vom IS verschleppt worden.

Die syrische Armee befindet sich nach eigenen Angaben 3 bis 5 Kilometer von Tel Hurmiz entfernt und hat ihre Unterstützung angeboten. Vor bereits drei Wochen hatte der ISIS den Assyrern der Region ein Ultimatum gestellt, nach dem sie alle Kreuze von und aus ihren Kirchen entfernen sowie die sog. „Dschizya“ (Kopfsteuer für Christen) zahlen sollen. Im Falle einer Nichterfüllung dieser Bedingungen drohte der IS den assyrisch-aramäischen Christen mit ihrer Tötung.

 

Quelle: AINA (http://www.aina.org/news/20150223174904.htm)

Die 35 assyrisch-aramäischen Dörfer entlang des syrischen Flusses Khabur; Bild: AINA
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