Menschenrechtlerin besorgt über völkermordsverherrlichende Plakate in der Türkei

Seit dem 22. Februar werden in der Türkei gehäuft antiarmenische Banner und Plakate gesichtet. Zwei Protestezüge fanden in den Istanbuler Stadtteilen Kadıköy und Beyoğlu unter dem Motto „Wir verurteilen den Genozid von Xocali und den armenischen Terror“ statt (Hintergrund: http://www.xocali.net/). Antiarmenische Parolen wurden dabei ebenso gerufen wie man den Namen Ogün Samast skandierte. Ögun Samast ist der ultrationalistische Mörder von Hrant Dink, Herausgeber der Zeitung AGOS. 

Banner in der südwesttürkischen Stadt Muğla. Darauf ist zu lesen: „Wir feiern den 100. Jahrestag der Säuberung unserer Heimat von den Armeniern. Wir sind stolz auf unsere glorreichen Ahnen.“ Bild: Armenia Weekly (http://armenianweekly.com/2015/02/23/celebrating-genocide/#prettyPhoto/0/)

Die Banner und Plakate, die den Völkermord an den Armeniern feiern, wurden in verschiedenen Teilen des Landes aufgehängt. In der südwesttürkischen Stadt Muğla lautete ein Schriftzug: „Wir feiern den 100. Jahrestag der Säuberung unserer Heimat von den Armeniern. Wir sind stolz auf unsere glorreichen Ahnen.“  Signiert wurde das Banner mit „Atsiz Jugend“. Nihal Atsiz (http://de.wikipedia.org/wiki/Nihal_Ats%C4%B1z) war ein führender Ideologe des türkischen Rassismus und Befürworter der turanistischen Ideologie. Das Banner wurde vor der Provinzdirektion für Jugend und Sport in Muğla aufgehangen. Von offizieller Seite hieß es, das Banner sei von den Büroräumen des Direktorats nicht sichtbar gewesen. Laut der Zeitung Demokrat Haber wurde es von „verantwortungsbewussten Bürgern“ entfernt.

Ähnliche Banner wurden ebenso in Manisa im Norden des Großraums Izmir und in Ordu an der Schwarzmeerküste zur Schau gestellt. Demokrat Haber berichtet außerdem von der Sichtung weiterer ähnlicher Banner durch das Bürgermeisteramt von Söğütlüçeşme (Istanbul) und auf dem Göztepe-Campus der Marmara Universität.

Menschrechtsaktivistin Ayşe Günaysu sagte: „Die Menschenrechtsorganisation (http://en.ihd.org.tr/) kann nichts tun, außer zu versuchen die Stimme gegen diese Initiativen zu erheben. Solange aber die breite Öffentlichkeit davon unberührt bleibt, und sich nicht für solche Aktionen und Spruchbänder schämt, wird es keine ernstzunehmende Antwort oder gar Distanzierung von diesen fanatischen antiarmenischen Initiativen geben. Diese bittere Wahrheit verfolgt mich dieser Tage ständig.“

In Kadıköy wurden zwischen 1.000 und 1.500 Demonstranten beobachtet, von denen viele die aserbaidschanische Flagge schwenkten. Neben armenierfeindlichen Parolen wird ebenfalls von, durch den Tod eines Ultranationalisten, der an einer gewalttätigen Attacke auf Mitglieder der prokurdischen Partei HDP in Izmir teilnahm, befeuerten, rassisitischen Sprechchören gegen Kurden berichtet. Die antiarmenischen Parolen seien allerdings im Vergleich zu den Protesten des 26.Februar 2012 gedämpfter ausgefallen.

Günaysu zufolge ist die verhältnismäßige Zurückhaltung der Demonstranten beim Skandieren antiarmenischer Parolen auf ihre Angst vor rechtlichen Konsequenzen zurückzuführen. 2012 wurden Demonstranten, die zahlreich Banner präsentierten, auf denen „Ihr seid alle Armenier, dann seid ihr alle Bastarde“ zu lesen war, zu Haftstrafen von fünf Monaten verurteilt, die das Gericht später in Geldstrafen über 3.000 türkische Lira (rund 1.000€) umwandelte.

Die Polizeipräsenz in Kadıköy war stark, sodass Versuche der Demonstranten auf Hauptverkehrsadern zu gelangen oder sich dem Büro der Partei HDP zu nähern verhindert werden konnten.

Laut der Zeitung „Demokrat Haber“ wurden rechtsradikale Demonstranten per kostenlosem Bustransfer von überall aus dem Großraum Istanbul nach Kadıköy gebracht.

Kurz vor den Protesten hatte das Istanbuler Büro der Menschenrechtsorganisation İNSAN HAKLARI DERNEĞİ
(HUMAN RIGHTS ASSOCIATION: http://en.ihd.org.tr/) eine Erklärung abgegeben, in der es den Protest als „Vorwand um Rassenhass gegenüber Armeniern in der Türkei zu schüren“ verurteilt.

 

Englischsprachige Quelle: http://armenianweekly.com/2015/02/23/celebrating-genocide/

Türkischsprachige Quelle: http://www.demokrathaber.net/m/guncel/irkci-afiste-1915-itirafi-h45304.html

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