Der türkische Oskar Schindler

„Von einem kaum aufgearbeiteten Kapitel, den zivilen Rettern verfolgter Armenier, berichteten mehrere Forscher, die unter anderem die Rolle des türkischen Gouverneurs von Aleppo und christlicher Missionsgesellschaften hervorhoben. „Die einen halfen bei Deportation und Vernichtung, die anderen retteten“, sagte Judith Perisic von der Universität Mainz in ihrer Studie über Urfa.“ (http://gruss-vom-bosporus.berliner-zeitung.de/2015/03/30/voelkermord-an-den-armeniern-jahrestag-der-verdraengung/)

 

Mehmet Celal Bey (teilweise auch unter der Schreibweise Mehmed Celal Bey erwähnt) ist ein Name, den die Wenigsten von uns jemals gehört haben. Dabei ist er in einigerlei Hinsicht vergleichbar mit einem prominenteren Helden und Lebensretter der Geschichte des 20. Jahrhunderts und der beiden Weltkriege: Oskar Schindler.

Mehmet Celal Bey wurde 1863 in Istanbul geboren, wo er 1926 auch beigesetzt wurde. Er war als Gouverneur der Provinzen Aleppo und Konya ein ranghoher osmanischer Beamter.

Mehmet Celal Bey
Mehmet Celal Bey; Bild: Arbeitsgruppe Anerkennung e.V.

„Da Celal über die geographischen Bedingungen Syriens aus seiner Amtszeit in Aleppo heraus bestens informiert war, wusste er auch, was die Deportation nach Dair az-Zur (armenisch: Der Sor; Ter Sor) bzw. in den Nordosten der Provinz Aleppo bedeuten würde. Er setzte auch in Konya nicht nur seine Kritik an einer Politik fort, die mit den Grundsätzen der Menschlichkeit ebenso unvereinbar war wie mit nationalen Interessen, sondern konfrontierte die Verantwortlichen mit Fragen: Wie würden die Unterkünfte und dauerhaften Wohnmodalitäten aussehen? War den Verantwortlichen bewusst, dass es sich bei den Endzielen der Deportation um Wüstengebiete handelte, die keine Besiedlung zuließen?

Celal Bey fand während seiner Amtszeit in Konya die Unterstützung der spirituellen Führer des Mevlevi-Ordens (http://www.eslam.de/begriffe/m/mevlevi-orden.htm). Nach seiner Amtsenthebung wurden auch manche dieser Geistlichen aus der Stadt verbannt.

Nach seiner Entlassung aus Konya nahm Mehmet Celal Bey keine öffentlichen Ämter mehr an, in denen er zum Teilnehmer am Genozid hätte werden können. 1919 sehen wir ihn als einen enthusiastisch für die Befreiung von der alliierten Besatzung kämpfenden Gouverneur von Adana, einer Stadt unter französischer Besatzung. Bis 1922 übte er das Amt eines Bürgermeisters in İstanbul und nach 1923 des Direktors des Nationalen Tabakunternehmens (Reji Amiri) aus.

Er starb am 11. Februar 1926. Zu seiner Bestattung erschienen Zehntausende Armenier, so dass der Verkehr zeitweilig zum Erliegen kam. Das Familiengrab wurde im Zuge einer Straßenbaumaßnahme eingeebnet. Auf dem restlichen Areal befindet sich heute das Swiss-Hotel im Ortsteil Beşiktaş. So ist in İstanbul keine einzige Stätte geblieben, an der wir Mehmet Celals gedenken können.“ (Quelle: http://www.aga-online.org/hero/mehmet-celal-bey.php?locale=de)

 

Video „The Turkish Oskar Schindler“ in englischer Sprache zum selben Thema:

http://www.keghart.com/Beck-Turkish-Schindler

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Ein Kommentar zu „Der türkische Oskar Schindler

  1. Ich hoffe im Züge der Anerkennung armenischer Genozid seitens Türkei, wird an der Zeit in Armenien von ihm u. Seine Taten veröffentlichen, sogar bin dafür sein Denkmal in Genozid Memorial von Yerevan zu errichten.

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