Werden die Kurden die Schlachten gewinnen aber den Krieg verlieren?

Dr. Rashid Karadaghi, Autor des bekanntesten Kurdisch-Englisch-Wörterbuches, „The Azadi English-Kurdish Dictionary„, äußert sich in „The Kurdistan Tribune“ angesichts jüngerer Signale aus dem Westen besorgt über die Zukunft der Kurden. Er fasst dies in bewegende nachdenkliche Worte:

„Ich fürchte darum, dass die Heldentaten der Peshmerga sowie der weiblichen und männlichen Kämpfer der YPG in Rojava und anderswo im besetzten Kurdistan gegen die Kräfte des Bösen und der Dunkelheit bald der Vergangenheit angehören, in den Tiefen der Geschichtsbücher verschwinden und bestenfalls vielleicht Gegenstand für ein oder zwei Filme sein werden.  Aber soweit es um eine konkrete Verbesserung der Lage für unser Volk geht, befürchte ich, trotz unseres Kampfes gegen den ISIS, wird es keine merkbare Verbesserung geben. Es war in unserer Geschichte immer wieder so, wie ich es auch jetzt befürchte: Wir sähen die Saat, doch die Früchte ernten andere.

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Kurdische Peshmergakämpfer bei ihrem Kampf gegen den IS

Wir werden uns weiter fragen müssen, warum westliche Demokratien, die Freiheit und Demokratie für ihre eigenen Bevölkerungen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe und nationaler Herkunft, möchten, es bevorzugen diktatorische Regime, die Kurdistan besetzt halten, zu unterstützen, anstatt die Kurden in ihrem Streben nach Freiheit zu bestärken. Was noch viel bezeichnender ist, ist dass die Unterdrücker der Kurden nicht einmal mehr mit ihren tief verankerten antiwestlichen Ressentiments und ihrem Hass gegenüber westlichen Freiheitswerten und Gleichheitsrechten zurückhalten. Im Gegensatz dazu haben die Kurden im Laufe ihrer jüngeren Geschichte unter Beweis gestellt, dass sie diese Werte und menschenrechtliche Grundsätze bereits verinnerlicht haben und leben. Der Westen zieht es vor, von den Unterdrückern der Kurden gehasst zu werden, anstatt von den Kurden geliebt zu werden. Wir fordern den Westen auf, den Kurden endlich Gerechtigkeit zu Teil werden zu lassen, sowie er es bereits in vielen anderen Teilen der Welt getan hat.

Ein Volk von mehr als vierzig Millionen Menschen lebt immernoch in Unterdrückung, die aus einer unsinnigen Grenzziehung durch britische und französische Kolonialisten ohne Respekt vor dem kurdischen Volk resultiert.  Diese Grenzziehung ist die Grundlage allen durch Besatzer und Unterdrücker im letzten hundert Jahren vergossenen kurdischen Blutes. Jedoch wird genau diese Landkarte mit den angesprochenen Grenzziehungen als Rechtfertigung herangezogen, um die Peshmerga nicht direkt mit Waffen zu versorgen. Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und Frankreichs stehen in der moralischen Pflicht das Verbrechen, das vor einem Jahrhundert in ihrem Namen begann, durch die Unterstützung eines unabhängigen Kurdistan in der Gegenwart zu beenden.

Das Konzept der „Territorialen Integrität“ war immer eine der größten Hürden für die Kurden, ihr ureigenes Recht auf Gerechtigkeit, dem erreichen ihrer eigenen und unabhägigen Staatlichkeit, zu erreichen. Der Westen klammert sich gegen jede Logik an diesem Prinzip fest, selbst wenn es um die Grenzen von Staaten geht, die fehlerhaft durch unwissende Außenstehende zusammengezeichnet wurden, und die vollkommen verschiedene, sich obendrein hassende, Volksgruppen dazu verdammen unter einem Dach zu leben. Sollten wir nicht stattdessen von den Erben jener Zivilisationen, die die Magna Charta, die Französische Revolution und US-Verfassung mit all ihren Errungenschaften hervorgebracht haben, erwarten können, diesen Knoten endlich zu zerschlagen, der den ganzen Nahen Osten seit nunmehr einem ganzen Jahrhundert, wie eine nicht enden wollende todbringende Epidemie, heimsucht?“

Der komplette Text in englischer Sprache: http://kurdistantribune.com/2015/will-it-be-winning-the-battles-and-losing-the-war-for-the-kurds/)

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