„Haustürkenreporter“: So sagt man „Lügenpresse“ im Stil der AKP und UETD

Lügenpresse nach UETD Verständnis

 

ISIS-Vergleiche aus dem Glashaus

Im Januar diesen Jahres verglich der türkische Premierminister Ahmet Davutoğlu PEGIDA (unsere Analyse zu PEGIDA: https://kurmenistan.wordpress.com/2015/01/06/kommentar-das-verhalten-von-sowie-gegenuber-ditib-vikz-milli-gorus-und-zdm-hat-masgeblich-zu-pegida-beigetragen/) mit der islamistischen Terrorarmee des IS / ISIS (http://www.focus.de/politik/ausland/das-ist-dieselbe-logik-tuerkischer-regierungschef-vergleicht-pegida-mit-is_id_4402560.html).

Am 11. Mai diesen Jahres meldete das DTJ (Deutsch Türkisches Journal) „Türkei und Saudi Arabien wollen Rebellen in Syrien vereinen“. Dass die einzigen Rebellen, die sich bislang als verlässlich und demokratische erwiesen haben, nämlich die kurdische YPG, nicht mitinbegriffen sind, versteht sich bei der Zusammenarbeit dieser beiden Staaten leider von selbst. Der Artikel räumt ein, dass es bei dieser Allianz keinerlei Berührungsängste mit radikal islamistischen Gruppierungen wie der Al-Nusra gäbe. Ohnehin findet in Regierungszeit der AKP eine stetig fortschreitende ideologische Annäherung der Türkei an Saudi-Arabien und Katar statt. Der, aus dem Irak stammende, einflussreiche britische Islamgelehrte Sayed Ammar Nakshawani verglich bereits Anfang November 2014 in einer eindrucksvollen Rede die weitreichenden Gemeinsamkeiten des IS / ISIS mit dem System Saudi-Arabiens in punkto Hinrichtungen, Verfolgung von Oppositionellen sowie der totalitären Vernichtungsabsicht gegenüber Christen und Muslimen schiitischer Konfession (https://www.youtube.com/watch?v=xArTRV2INSY).

Der Vergleich des türkischen Premiers zwischen PEGIDA mit dem „Islamischen Staat“ in einem negativen Kontext stammt aus dem Januar 2015. Nur vier Monate später scheuen er und seine Partei keine offizielle Allianz mit einem Land dessen Ideologie und Rechtssystem weitestgehend deckungsgleich mit dem des IS / ISIS sind.

 

Exportierte Pressefeindlichkeit

In Saudi-Arabien sorgt aktuell der Fall des Bloggers Raif Badawi für Aufsehen. Wegen seiner Kritik am System und den Klerikern des Landes sitzt er seit Monaten in Haft und wurde zu einer drakonischen Prügelstrafe verurteilt, die, sollte sie vollstreckt werden, wahrscheinlich seinen Tod bedeuten würde.

Saudi-Arabien rangierte 2014 laut „Reporter ohne Grenzen“ auf Rang 164 der weltweiten Pressefreiheit. Nur 15 Plätze weiter vorne, und damit beispielsweise deutlich hinter dem Südsudan, findet man die Türkei, wo sich Druck und Repressionen gegenüber Medien, die sich nicht gemäß der Regierungsdoktrin äußern, seit Beginn des Jahres immer drastischer verschärfen (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/t%C3%BCrkei/).

Diesen Druck bekommen nicht nur türkische Medien zu spüren. Auch in Deutschland tuen die Netzwerke der UETD alles, um gegen kritische Berichte vorzugehen. Bekamen zwischen 2011 und 2013 lediglich kritische Teilnehmer an Diskussionen in den sozialen Netzwerken diese Form virtueller Aggression zu spüren, befinden sich seit den Geziprotesten auch verstärkt prominente Politiker und Journalisten im Visier der AKP-Lobbyisten. Als sich am 24. April diesen Jahres der symbolische Gedenktag des Völkermordes an den Armenier, Aramäern / Assyrern, pontischen und ionischen Griechen sowie jesidischen Kurden zum hundertsten Mal jährte, erlebten die Pinnwände berichtender Zeitungen, Radio- und Fernsehsender regelrechte Großoffensiven von Trollen, die sich beinahe immer zu UETD-nahen Kreisen zurückverfolgen ließen (siehe u.a. https://kurmenistan.wordpress.com/2015/05/02/von-bergturken-israelkritikern-hass-einer-verprugelten-armenierin-und-verbrechern-denen-leid-geschehen-soll/). Es sollten so Journalisten und andere User sollten so gezielt eingeschüchtert, sowie die eigene Anhängerschaft zusätzlich fanatisiert werden. Wer sich als kritischer User auf den Facebookpinnwänden von DTJ (Deutsch Türkisches Journal), DTN (Deutsch Türkische Nachrichten) oder DTZ (Deutsch Türkische Zeitung) bewegt, kennt dieses Verhalten zu Genüge (Fallbeispiel: https://kurmenistan.wordpress.com/2014/11/25/deutsch-turkisches-journal-die-cybermobber/).

Nun hat dieselbe UETD, europäische Lobbyorganisation der AKP, angesichts der kürzlich vergangenen Parlamentswahlen in der Türkei zum Rundumschlag gegen kritische Berichterstatter ausgeholt. In Persona trifft es in Deutschland die Istanbulkorrespondenten der renommierten Zeitungen und Magazine „Spiegel“, „Welt“ und „Zeit“. Özlem Topçu, Deniz Yücel und Hasnain Kazim sind seit einigen Wochen Angriffen und Anfeindungen ausgesetzt. Dabei bezichtigt man Deniz Yücel, in für diese Kreise üblich xenophober Manier, zu ihren stereotypen rassisch geprägten Feindbildern, wie Armeniern oder Aleviten, zu gehören (https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10205895395537469&set=pcb.10205895519380565&type=1&theater).

Hasnain Kazim wird seine schiitische Konfession vorgeworfen, weil er einen tendenziell positiven Artikel zur HDP veröffentlichte. Darüber hinaus versucht man ihn über das DTJ in Verruf zu bringen. Seine lesenswerte Antwort dazu kann man auf seiner Facebookseite in einem Beitrag vom 13. Juni 2015 nachlesen (https://www.facebook.com/hasnain.kazim).  Bereits im Mai war Hasnain Kazim nach der Veröffentlichung einer regierungskritischen Zitats Opfer von Morddrohungen (siehe: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/hasnain-kazim-morddrohungen-nach-spiegel-artikel-12948744.html).

Auch die, ebenfalls am 13.Juni auf Facebook veröffentlichte, Antwort Özlem Topçus zum selben Artikel des DTJ empfiehlt sich sehr (https://www.facebook.com/ozlem.topcu).

Unterstützung bekommen die AKP-Lobbyisten, wie gewohnt, von Ruprecht Polenz (treffende Analyse von Deniz Yücel zu diesem Sachverhalt: http://www.welt.de/kultur/article142210874/Der-arme-Erdogan-und-die-boese-Presse.html). Jener Ruprecht Polenz sieht sich immer wieder Antisemitismusvorwürfen ausgesetzt (siehe u.a.: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_pest_of_polenz_ii/), suchte in Vergangenheit die Nähe zur HAMAS und steht Völkermordsleugnern wohlwollend gegenüber (dazu: 1.) http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_pest_of_polenz_ii/, 2.) https://ayunion.wordpress.com/2012/03/05/bundestagsabgeordneter-ruprecht-polenz-ist-fur-die-leugnung-des-genozids-an-den-christen/) Er ist CDU-Ehrenvorsitzender aus dem westfälischen Münster, MdB a.D. und Vorsitzender des ZDF-Medienrates.

Wenig verwunderlich ist auch, dass Remzi Aru, Geschäftsführer des Reiseunternehmens GIATA, mit einstimmt. Der Berliner UETD-Lobbyist ist selbsternannter „Sprecher aller Türken“, fiel mit seinen zweifelhaften Ansichten und Manieren bereits in Politrunden, wie z.B. am 20. Mai 2014 auf dem Sender „Phönix“, auf, und pöbelt bei Facebook gerne gegen Armenier, den kurdischen Widerstand gegen den IS / ISIS, oder macht sich bei Google+, von einer türkisch-nationalistischen Rassenlehre angehaucht, über Griechen lustig (siehe: https://plus.google.com/104881759424212691923/posts/E6TeDGbUaD1). Über Argumente verfügt er dabei niemals wirklich. Stattdessen zeichnet sich sein Diskussionsstil durch leere, sachlich falsche, zumeist ausweichende, das Thema wechselnde, Parolen aus, die er häufig einleitet, indem er dem Gegner eine „diffuse Wahrnehmung“ unterstellt und sich selbst als „höflich“ attribuiert. Jüngst bezeichnete Aru die Journalisten Deniz Yücel und Özlem Topçu auf, für ihn typische, polemische und herabwürdigende Weise für ihre positive Berichterstattung über die Partei HDP als „Haustürkenreporter“ (siehe: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=490964024388672&set=a.102915929860152.8994.100004252356291&type=1&theater). So sagt man wohl im UETD- / AKP- Stil „Lügenpresse“.

Remzi Aru, selbsternannter "Sprecher aller Türken", versucht die kurdische Forderung nach humanitärer Hilfe ins Lächerliche zu ziehen.
Remzi Aru, selbsternannter „Sprecher aller Türken“, versucht die kurdische Forderung nach humanitärer Hilfe ins Lächerliche zu ziehen.; Bild: Screenshot eines Follower, eingefangen am 19. Mai 2015, auch hier einsehbar: https://de-de.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1580021225591122&id=1570648103195101
Ramzi Aru beglückwünscht albanische Fussballhooligans, die die wenigen mitgereisten armenischen Fans beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Armenien am 30.März 2015 mit einer türkischen Flagge provozieren wollten. Die albanischen Ordnungskräfte unterbanden die gezielt auf Eskalation abzielende Provokation einiger Weniger geistesgegenwärtig und konsequent. Albanien gewann verdient mit 2:1
Remzi Aru beglückwünscht albanische Fussballfans, die die wenigen mitgereisten armenischen Fans beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Armenien am 30.März 2015 mit einer türkischen Flagge provozieren wollten. Die albanischen Ordnungskräfte unterbanden die gezielt auf Eskalation abzielende Provokation einiger Weniger geistesgegenwärtig und konsequent. Albanien gewann verdient mit 2:1. Die türkischsprachige Meldung, die Aru von „Aktüel“ teilt, spricht von einem Angriff armenischer Fans, der niemals stattgefunden hat. Tatsächlich sprang ein einzelner albanischer Fan aus dem vollbesetzten Block, um die gerade einmal 15 bis 20 mitgereisten armenischen Unterstützer mit der türkischen Flagge zu provozieren. Einige von ihnen reagierten ihrerseits aufgebracht mit provokanten Worten und Gesten. Daraufhin wiederum fliegen aus dem albanischen Block Gegenstände auf sie. Das schnelle und beherzte Einschreiten der Ordner in Tirana verhinderte eine weitere Eskalation. Diese Video zeigt den Vorfall: https://www.youtube.com/watch?v=4-JCZpRXego. Aru schürt am 2.April 2015, als er das Video auf seinem Facebookprofil öffentlich teilt, durch seine Überschrift sowie das gezielte Verbreiten einer falschen Tatsachendarstellung der Seite „Aktüel“ Rassenhass gegen Armenier.; Bild: Screenshot eines Followers, eingefangen am 19. Mai 2015, auch hier einsehbar: https://de-de.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1580021225591122&id=1570648103195101

 

Erneutes Armutszeugnis für AKP-Lobbys, Ritterschlag für Journalisten

Am Ende bleibt folgende Erkenntnis. Wurde Anfang des Jahres von Dresden aus die Existenz einer „Lügenpresse“ unterstellt, so tun es nun die UETD und Ruprecht Polenz, auch wenn sie das Wort nicht explizit verwenden, mit ihren Attacken gegen Kazim, Yücel und Topçu PEGIDA gleich. Man hat mehr mit jener PEGIDA gemeinsam, die der türkische Premier im Januar noch mit dem IS / ISIS verglich, als man selbst zu erkennen vermag.

Was folgt nun daraus? UETD (europäischer Lobbyverband der AKP) = PEGIDA = ISIS?

Hasnain Kazim, Deniz Yücel und Özlem Topçu jedenfalls vermitteln ein präzises Bild. Es ist so gestochen scharf, dass es viele, wie unter Anderem die oben genannten Herrschaften und Organisationen entlarvt. Des Weiteren zeigen diese drei mutigen Journalisten eins deutlich auf: Die HDP ist, zwar mit einigen Abstrichen, aber in gewisser Weise sehr gut mit der deutschen 68er-Bewegung zu vergleichen. Ethnische, religiöse und sexuelle Minderheiten sowie Humanisten begehren demokratisch gegen den islamistisch-nationalistischen Mief auf, der die Türkei unter Erdoğan in festem Würgegriff hält. Von Liebhabern und Bewahrern dieses Miefs wie Polenz, Aru oder anderen UETDlern attackiert zu werden, ist ein schwerwiegender Beweis journalistischer Qualität und regelrechter Ritterschlag für die drei.

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2 Kommentare zu „„Haustürkenreporter“: So sagt man „Lügenpresse“ im Stil der AKP und UETD

  1. ‪#‎UETD‬ / ‪#‎DITIB‬ / ‪#‎AKP‬ Lobbyist und Rassist Remzi Aru verhöhnt das jüdische Pessachfest. Er wünscht der islamischen Gülengemeinde ein frohes Pessach. So unterstellt er ihnen zionistische Staatsfeinde zu sein: Das ist Antisemitismus pur!
    Im Kommentarbereich sind weitere Mitglieder dieser xenophoben Vereinigungen, die zu Arus Netzwerk gehören. U.a. der AKP Propagandajournalist Mustafa Özen, der seinen Hass auf Armenier und Juden herausposaunt. Er fordert Aru auf den Text auf armenisch zu schreiben. Damit will er sagen, dass die Distanzierung der Gülenbewegung von Erdogan durch eine Verschwörung von Armeniern und Juden entstanden ist.
    Haiko Ottmann ist ein besonderes Trollexemplar. Er war im April auf Facebook sehr aktiv bei der Verbreitung einer verleumderischen antiarmenischen Seite und ist Mitglied des rechtsradikalen Mottoradclubs Turkos MC.
    20 Mitglieder von diesem Club haben gestern eine antikurdische Demonstration in Berlin gemacht. Die Kurden haben mit einer Demo die Befreiung von Girê Spî (Tall Abyad) vom IS gefeiert.
    Durch die Gegendemostration haben sich Tukos MC wieder einmal mit dem IS verbrüdert.
    (Das Video zeigt die Demonstration: https://www.facebook.com/turkosmcberlin/videos/vb.1562766703972396/1614324232149976/?type=2&theater)

    Hier der Screenshot wo er das Pessachfest verhöhnt. Das Pessachfest derart zu verhöhnen erfüllt alle Kriterien waschechter Antisemiten. Der ISIS Unterstützer Haiko Ottmann, von Turkos MC, die gestern noch in Berlin gegen die Befreiung von Girê Spî (Tall Abyad) durch die YPG demonstriert und so Solidarität mit dem IS bekundet hat, darf natürlich im Kommentarbereich nicht fehlen. Aru und Co. gehören zur Speerspitze des türkischen Rassismus in Deutschland: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10205951140651062&set=a.1125531831930.20453.1636194383&type=1&theater&notif_t=like

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