Sichtbare und doch versteckte Schönheit: Armenier in Indien

Bild: Madhumita Gopalan / The News Minute / http://www.armradio.am/en/2015/07/08/beauty-hidden-in-plain-sight-the-historic-armenian-church-of-madras/

Tamil Nadu von der „The News Minute“ präsentiert einen Fotoaufsatz über Armenier in Indien

Im 7. und 8. Jahrhundert begannen Gruppen von Händlern und Kaufleuten aus einem kleinen Land, weit hinter den Gebirgszügen des Hindukusch, nach Indien einzuwandern, um Seide, Musselin, Gewürze, Hölzer und Edelsteine zu verkaufen. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte errichteten diese Händler kleine Siedlungen in mehreren Teilen des Landes, von Kerala bis Kalkutta und von Agra bis Madras. Im 17. Jahrhundert verzeichneten ihre Siedlungen merkbare Bevölkerungsanstiege in Madras, dem heutigen Chennai. Die Straße, in der die meisten von ihnen lebten, wurde als „Armenian Street“ bekannt.

Armenian Church
Bild: Madhumita Gopalan / The News Minute / http://www.armradio.am/

Armenien ist ein altes traditionsreiches Land in Eurasien, das an die Türkei, den Iran, Aserbaidschan und Georgien angrenzt. Es beheimatet eine der ältesten christlichen Zivilisationen der Welt. Im 4. Jahrhundert war Armenien der erste offiziell christliche Staat der Welt. Der Legende und biblischen Erzählung nach, fand Noahs Arche auf dem Ararat, dem heiligen Berg der Armenier, Ruhe, als die Flut zurückging.

Armenian Church 1
Bild: Madhumita Gopalan / The News Minute / http://www.armradio.am/

In der „Armenian Street steht die Kirch der „Hl. Maria“, die älteste armenische Kirche Indiens. In der ruhigen und beinahe menschenleeren Kirche, glaubt man kaum, dass man sich eigentlich mitten im belebten und lauten Georgetown in Chennai befindet. Das Fundament der Kirche bildet eine hölzerne Struktur. Sie wurde auf einem Stück Land errichtet, das der armenischen Gemeinde von der britischen Ostindienkompanie geschenkt wurde. Eine echte Kirche wurde 1712 gebaut. Sie wurde 1772 während der französischen Belagerung zerstört. Später wurde sie an ihrem heutigen Standort auf einem ehemaligen armenischen Friedhof wieder aufgebaut. Ein dreigeschössiger Glockenturm steht neben der Kirche. Er beherbergt drei massive Glockenpaare aus dem 18. Jahrhundert. Jede einzelne Glock wiegt ungefähr 150 kg. Ein Paar wurde in London von der selben Gießerei hergestellt, die auch für die Glocken des Big Ben goß.

Armenian Church 2
Bild: Madhumita Gopalan / The News Minute / http://www.armradio.am/

Die Marmalong Brücke über den Fluss Adyar im geschäftigen Stadtteil Saidapet wurde vom armenischen Geschäftsmann Khojah Woskan errichtet. Regional ist sie heute als Maraimalai Adigalar Brücke bekannt. Woskan war ebenfalls für die Errichtung der Treppe hinauf zur Kirche auf dem St. Thomas Berg verantwortlich. Ein weiteres berühmtes Mitglied der armenischen Gemeinschaft in Madras war Shahamir Shahamirian. Er war eigentlich Perlenhändler von Beruf, nahm aber darüber hinaus die erste Druckerpresse Chennais in armenischem Alphabet in Betrieb. Für den langen Weg zu einem unabhängigen Armenien spielte er vom fernen Madras aus eine wichtige Rolle. Zusammen mit anderen ortsansässigen Armeniern, der sog. „Madrasgruppe“, setzte er sich für seine Vision eines freien und demokratischen Armeniens ein. Diese Vision beschrieb in seinem Buch „Vorokayt Paratz“, das als erster Entwurf für die armenische Verfassung gilt.

Armenian Church 3
Bild: Madhumita Gopalan / The News Minute / http://www.armradio.am/

Weil die Kirche auf einem Friedhof errichtet wurde, finden sich rund um die Kirche unter blühendem Frangipani und Schatten spendenden Waldbäumen hunderte flache Grabsteine mit wunderschönen Schnitzereien und Inschriften. Manchmal ist es schwierig nicht versehentlich auf sie zu treten. Zwischen den flachen auf Erdebene errichteten Grabsteinen sticht einer, dadurch dass er aufrecht steht, besonders hervor. Er gehört zum Grab von Pfarrer Harutyun Shmavonian. Ein offenes steinernes Buch ziert sein Grab und erinnert an seine Karriere als Herausgeber der Azdarar, der ersten jemals in (west)armenischer Sprache herausgegebenen Zeitung überhaupt.

Armenian Church 4
Bild: Madhumita Gopalan / The News Minute / http://www.armradio.am/

Heute leben beinahe keine Armenier mehr in Chennai und die Chancen stehen hoch, dass man sich als einziger Besucher durch die Kirche bewegen kann. Regelmäßige Gottesdienste finden nicht statt. Die Kirche kann täglich zwischen 9.00 Uhr und 14.30 Uhr besichtigt werden. Um ihre Instandhaltung kümmert sich die kleine armenische Gemeinde von Kalkutta.

 

 

Quelle: http://www.armradio.am/en/2015/07/08/beauty-hidden-in-plain-sight-the-historic-armenian-church-of-madras/

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