Irakische Christen fordern Autonomie innerhalb eines freien Kurdistan

Wappen der assyrisch-aramäischen Miliz „Dwekh Nawsha“; Bild: https://www.facebook.com/Dwekh.Nawsha

Die Entschlossenheit innerhalb der christlichen Bevölkerung des Irak, die im letzten Sommer an den IS / ISIS / Islamischen Staat verlorenen Gebiete zurückzuerobern, wächst. Damit einhergehend wird auch der Ruf nach einer eigenen Autonomieregion innerhalb eines freien und unabhängigen kurdischen Staates lauter.

Seit dem Sturz Saddam Husseins, wurden die Angehörigen der christlichen Minderheit im Irak immer wieder Opfer und Ziel gewalttätiger Übergriffe durch radikale Islamisten. Diese gipfelten letzten Sommer in ihrem bislang traurigen Höhepunkt, der Eroberung der Niniveh-Ebene durch den IS / ISIS. Laut The National mussten damals mehr als 200.000 assyrisch-aramäische Christen aus dem Gebiet fliehen. Zuflucht und Schutz fanden und finden sie in den Flüchtlingslagern des kurdischen Autonomiegebiets (Südkurdistan / Nordirak). Jedoch wollen sie sich mit ihrer Vertreibung nicht abfinden, und so schlagen einige von ihnen mit der Bildung eigener Milizen die Flucht nach vorn ein.

Die Mehrheit der assyrisch-aramäischen Frauen und Männer innerhalb dieser Milizen kämpft für die Vision einer Autonomieregion für die Christen der Niniveh-Ebene. Dabei ist es ihnen teilweise egal, ob sie unter einer kurdischen oder irakischen irakischen Zentralregierung leben. Viele haben angesichts der blitzartigen Ausbreitung des IS / ISIS und dem Mangel an Unterstützung für sie den Glauben in die Regierung in Bagdad ebenso verloren wie den Glauben an die kurdische Peschmerga.

Nichts desto trotz ist aber, nicht zuletzt aufgrund der humanitären Hilfe, eine andere Sichtweise dabei sich durchzusetzen.

Wir wären gerne Teil eines unabhängigen Staates Kurdistan. In diesem Teil der Erde ist es für uns besser mit den Kurden zu leben. Mit den Arabern haben wir hier in den letzten Jahrzehnten sehr unschöne Erfahrungen machen müssen.„, sagt Albert Kisso, Kommandant einer kleinen Gruppe von Milizionären. Sie nennen sich „Dwekh Nawsha“. Aus dem Assyrischen / Aramäischen übersetzt bedeutet das „Derjenige, der sich opfert„.

Wir haben an die irakischen Streitkräfte geglaubt. Aber sie sind nicht hier geblieben, um zu kämpfen. Nicht einmal eine einzige Kugel haben sie zur Verteidigung der Niniveh-Ebene aufgewendet„, sagt Athra Kado, ein assyrisch-aramäischer Christ der sich im letzten September den Verteidigungseinheiten der Niniveh-Ebene angeschlossen hat (Nineveh Plains Protection Unit, kurz NPU).

Während sich einige komplett resigniert zeigen, was Zentralregierung und kurdische Autonomieregierung angeht, würde sich die Mehrheit der Christen in einem freien Kurdistan besser aufgehoben fühlen als unter Kontrolle der irakischen Zentralregierung. In ihren Augen ist die Regierung der kurdischen Region deutlich stärker um den Minderheitenschutz bemüht.

 

 

Quellen:

Artikel der Autorin Adelle Nazarian in englischer Sprache

Facebookseite der assyrisch-aramäischen Miliz „Dwekh Nawsha“

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2 Kommentare zu „Irakische Christen fordern Autonomie innerhalb eines freien Kurdistan

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