Belgien erkennt Völkermord an Armeniern an

Belgisches Parlamen, Bild: Horizon Weekly (http://www.horizonweekly.ca/news/details/70527)

Die französischsprachige Nachrichtenseite Nouvelles d’Arménie en ligne meldet unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP, dass das belgische Parlament den Völkermord des Osmanischen Reichs an den 1,5 Millionen Armeniern am Donnerstag anerkannt hat.

Entgegen allzu kritischen Behauptungen wird der Begriff Völkermord an mehreren Stellen der Resolution explizit verwendet.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu reagierte empört und sprach von einem „inakzeptablen und unentschuldbaren“ Akt.

Der Text enthält u.a. die Aufforderung an die Türkei sich ihrer Vergangenheit zu stellen und den Völkermord ihres Vorgängerstaates anzuerkennen (wortwörtl.: “d’affronter son passé et de reconnaitre le génocide“).

Die kanadische Seite Horizon Weekly spricht von einer „leidenschaftlichen Debatte“ im belgischen Parlament und „überwältigenden Mehrheit“ für die Resolution.

Armenische Jugendverbände in Belgien zeigten sich enttäuscht darüber, dass die Resolution zugleich die Passage „die heutige Türkei kann nicht für das tragische Schicksal der Armenier im Osmanischen Reich verantwortlich gemacht werden“ enthält (wortwörtl.: „la Turquie actuelle ne saurait être tenue pour responsable du drame vécu par les Arméniens de l’Empire ottoman“).

Die Enttäuschung wurde mit Verweis auf die Worte des deutschen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) begründet. Dieser sagte als der deutsche Bundestag am 24. April diesen Jahres des Völkermords an den Armeniern, Aramäern / Assyrern und pontischen Griechen (die belgische Resolution erwähnt nur die Armenier) gedachte: „Durch die beispiellosen Erfahrungen von Gewalt im 20. Jahrhundert wissen wir, dass es keinen echten Frieden geben kann, solange den Opfern, ihren Familien und ihren Nachkommen im Gedenken an die Vergangenheit keine Gerechtigkeit getan wird […] Die aktuelle türkische Regierung ist nicht dafür verantwortlich, was vor 100 Jahren passiert ist. Sie ist aber verantwortlich für den weiteren Umgang damit.“ (U.a. machte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan laut FAZ im Vorfeld der Kommunalwahlen 2014 deutlich, dass er „Armenier“ als eine Beleidigung ansieht.)

Auch acht oppositionellen Parlamentariern der belgischen Linken, des Zentrums und der ökologischen Partei ging der Text der Resolution nicht weit genug. Sie enthielten sich aus Protest.

Im Gegensatz dazu begrüßte Kaspar Karampetian, Vorsitzender der „Europäisch-Armenischen Föderation für Gerechtigkeit und Demokratie“ [European Armenian Federation for Justice and Democracy (EAFJD)], die Resolution ausdrücklich. Er sieht in ihr eine klare Botschaft an die Türkei, dass „Völkermordsleugnung in Europa keinen Platz hat, und sie sich früher oder später ihrer Vergangenheit wird stellen müssen“.

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