Die Zerstörung einer Demokratie als Ziel türkischer Politik: Armenier brechen eine Lanze für die Kurden Rojavas

Wählerinnen und Wähler in Efrin / Afrin, einer der drei neu geformten Kantone in Rojava (Foto: rojavareport.wordpress.com )

 

Tag für Tag werden die türkischen Angriffe auf die Kurden intensiver. Erst letzten Monat, führte Ankara 500 Luftschläge gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK durch. Der Islamische Staat (IS / ISIS) wurde nur drei Mal angegriffen. Selbst im US-Generalstab werden Stimmen laut, die zugeben dass die Behauptung der Türkei, dem Kampf gegen den IS beigetreten zu sein, nur eine List war, um die PKK zu bombardieren.

Dennoch verstummen im Westen die Stimmen nicht, die die türkischen Angriffe weiterhin rechtfertigen.

Die Propaganda, Kurden als Separatisten hinzustellen, ist eine Ausrede, um ihre demokratischen Errungenschaften auszuradieren. Niemand spricht aus, was das Ergebnis der türkischen Militäroffensive gegen die Kurden sein wird. Ihr pluralistisches Demokratieexperiment in Rojava, sowie ihr beherzter und wirkungsvoller Kampf gegen den IS würden wohl durch vom Westen gedeckte Gewalt gegen sie zusammenbrechen.

 

Gleichberechtigung der Völker und Geschlechter wird in Rojava groß geschrieben

Serouj Aprahamian traf zwei Mitglieder der armenischen Gemeinschaft Rojavas aus Qamishli / Qamişlo in Jerewan und sprach mit ihnen über das System Rojava.

Auf seine Zeit als Mitglied des armenischen Beirats von Qamishli verweisend, erklärte einer der Interviewten: „Ranghohe Kurden besuchten unsere Gemeinschaft, und sagten dass wir unsere Zusammenarbeit ausbauen müssten, um Hand in Hand das Beste für alle Ortsansäßigen zu erreichen. Sie sagten, dass wir von der Regierung Gleichheit und Hilfe fordern müssen.“ Und trotz aller Spannungen zwischen Kurden und Arabern in der Region, bezeugten die Mitglieder armenischen Gemeinschaft, dass bei nahezu jeder Zusammenkunft verwaltender Gremien auch arabische Abgesandte zugegen waren.

Alle Verwaltungsräte Rojavas müssen ethnisch durchmischt sein, d.h. aus kurdischen, arabischen, und christlichen, also assyrisch-aramäischen oder armenischen, Mitgliedern bestehen, wobei es mindestens ein weibliches Mitglied geben muss.

Aprahamians Interviewpartner betonten darüber hinaus, dass die Kurden sich stark um armenische Anliegen kümmern. „Egal wann wir ein Anliegen oder ein Problem vorbrachten, wurde es unverzüglich behandelt gelöst“, sagte einer der beiden. Der andere unterstrich die Kameradschaft, die der armenischen Gemeinschaft aus Reue für die Rolle einiger kurdischer Stämme als Kollaborateure beim Völkermord an den Armeniern, Aramäern / Assyrern, pontischen Griechen und Jesiden durch das osmanischen Reichs entgegengebracht wurde.

 

Ankaras Angriffe sind der Versuch eine Demokratie in eine ungewisse und instabile Zukunft zu bomben

Man darf daher nicht dem Trugbild aufsitzen, Ankaras aktuelle Angriffe auf die Kurden seien ein Kampf gegen Separatisten. Das sind sie nicht. Sie sind vielmehr ein Kampf gegen eine echte und aufrichtige Demokratie. In der Tat gibt es zahlreiche gut begründetet Vorwürfe, Erdoğan habe die Angriffe provoziert, um die HDP bei den, für November angesetzten, Neuwahlen zu schwächen. Egal ob in der Türkei oder woanders in der Region, die Propaganda Kurden als Separatisten zu brandmarken, ist nichts als ein Vorwand, um ihre demokratischen Errungenschaften auszuradieren.

Beide Interviewpartner Aprahamians befürchten eine ungewisse und instabile Zukunft, sollte die kurdische Demokratie von Rojava zusammenbrechen.

Wer wirklich an Menschlichkeit und Frieden interessiert ist, sollte die Kurden unterstützen, wenn sie an westliche Regierungen appelieren, den türkischen Angriffskrieg gegen sie zu beenden. Statt diesen zu unterstützen, sollte der Westen zu seinem Versprechen stehen, den IS / ISIS zu bekämpfen, indem er den kurdisch geführten, demokratischen Kräften den Rücken frei hält.

 

 

 

Quelle und lesenswerte ausführliche Analyse in englischer Sprache: 

Serouj Aprahamian: Targeting Democracy: An Armenian Account of Kurdish Ambitions

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Ein Kommentar zu „Die Zerstörung einer Demokratie als Ziel türkischer Politik: Armenier brechen eine Lanze für die Kurden Rojavas

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