Ruprecht Polenz und AKP-Lobbyisten auf Hexenjagd gegen Armenierin: Offener Brief an die CDU

Wir veröffentlichen diesen Offenen Brief, der an die, in der Anrede genannten, Politiker sowie diverse Pressevertreter gesendet wurde.

Wir bitten diesen oder einen eigenen Text ebenfalls an diese Emailaddressen zu versenden:

partei@cdu-koeln.de; petelkau@cdu-koeln.de; fu@cdu-koeln.de; gisela.manderla@bundestag.de

 

Madlen Vartian
Screenshot vom öffentlichen Facebookprofil Madlen Vartians

Sehr geehrte Frau Manderla,

Sehr geehrte Frauen Union,

Sehr geehrter Herr Petelkau,

Liebe CDU Köln,

auch uns von den Kurmenistan News ist nicht entgangen, dass die Äußerungen Ihres Parteimitglieds Madlen Vartian diese Woche die Gemüter der Netzwelt erregten und weiterhin erregen.

Wir schließen uns, was den Stein des Anstoßes vom Dienstag, den 29.09.2015 angeht, in keinster Weise Ihrer Wortwahl und den darin zum Ausdruck gekommenen Pauschalierungen an.

Wir bitten Sie aber Folgendes zu Bedenken. Zum Einen erwähnte niemand unter denjenigen, die sich in verdächtiger Windeseile auf Frau Vartian stürzten die Relation ihres Beitrags zu dem verlinkten Artikel, in dem es um einen Brandanschlag auf eine Kirche in Bethlehem ging. Für die Bewertung ihrer nicht akzeptablen Aussage sollte dies jedoch eine Rolle spielen. Denn mildernde Umstände verschafft ihr dies allemal. Gerade solche, die sich mit dem sprichwörtlichen Schaum vorm Mund sofort auf sie stürzten, wissen das am Besten. Bei diesen Personen und Gruppierungen handelt es sich um Medien wie die Deutsch Türkischen Nachrichten oder das Deutsch Türkische Journal, die ansonsten durch ausschließliche Negativberichterstattung über Angehörige von ethnischen und konfessionellen Minderheiten Anatoliens auffallen und nicht selten Berichte 1:1 aus fragwürdigen türkischen Medien wie z.B. der Zeitung „Takvim“ übernehmen. Die Autoren derer sie sich bedienen gehören zumeist Lobbyverbänden wie der AKP-nahen UETD an. Die Erstellung von Prangern zur Mundtotmachung kritischer Stimmen ist eine gängige Taktik dieser Gruppierung. Kritische User werden beispielsweise offen zum Abschuss frei gegeben (siehe u.a.: https://kurmenistan.wordpress.com/2014/11/25/deutsch-turkisches-journal-die-cybermobber/). Ebenfalls befand sich das MiGAZIN, unter den Ersten, die sich auf Vartian stürzten. Dieses, mit einem interkulturellen Anstrich versehene Onlinemagazin, scheut sich nicht Meldungen aus türkischen rechtsnationalen Zeitungen mit Namen wie „Vatan“ (Vaterland) zu übernehmen, bedient sich Autoren, die offen mit ihrer Nähe zum rechtsextremen Motorradclub „Turkos MC“ prahlen, und keinen Hehl aus ihren antisemitischen Tendenzen machen (siehe:  https://kurmenistan.wordpress.com/tag/migazin/). Ein weiterer Angreifer der ersten Stunde ist Nabi Yücel, der kurz nach Veröffentlichung des Beitrages von Vartian zur Anzeige gegen sie aufrief. Nabi Yücel ist ein internetbekannter, vorbestrafter, türkischer Rechtsradikaler aus Marbach am Neckar (siehe: https://turkishpressnachrichten.wordpress.com/wer-ist-nabi-yucel/) und ehemaliger Herausgeber des inzwischen aus dem Netz genommenen Nachrichtenportals „Turkish Press“. Jenes Portal veröffentlichte Artikel, in denen Armeniern eine Beteiligung an der NSU-Mordserie unterstellt wurde (siehe: https://haypressnews.wordpress.com/2013/05/02/armenier-juden-und-die-rechtsradikalen-von-turkishpress/), und verbreitete gezielt Meldungen zur systematischen Kriminalisierung politisch aktiver Kurden (siehe: http://julian-tumasewitsch.blogspot.com/2013/03/wie-das-hetzblatt-turkishpress-mit.html).

An deren Seite und vorderster Front der Kampagne gegen Vartian tut sich außerdem ihr Münsteraner Parteikollege Ruprecht Polenz unrühmlich hervor.

Ohanes Altunkaya kommentiert Polenz auf Vartians Facebookpinnwand treffenderweise wie folgt: „Herr Polenz, dass Sie gegen differenzierte Gedankengänge die verständlich machen, warum Wut entstehen können insbesondere in einer Gesellschaft die immernoch ein Genozid-Trauma hat unsensibel gegenüber stehen und Sie persönlich die Verantwortlichen sogar schützen und damit die genozidiale Politik bei ihrer Fortsetzung unterstützen, ist ein Problem, das augescheinlich niemand in Ihrer viel zu langen Politikerkarriere wirksam entgegentreten konnte. Sie sollten sich schämen!
Um es klar zu stellen, ich verteidige nicht die Hetzrede und das hat Georgi auch nicht getan, aber die Reaktion darauf war unverhältnissmäßig und hat viel viel aufgezeigt, was in der hiesigen Republik falsch läuft. Und wie sie sich die schlimmsten Nationalisten drauf werfen und dann im Sinne von Anti-Rassismus gegenüber Armenier hetzen und Sie da auch noch mitmachen wie die Geier ….!“ (siehe auch: https://www.facebook.com/madlen.vartian/posts/903889616313034)

Jener Herr Polenz und das im obigen Link ebenfalls erscheinende Profil „Bernd Waster“, das überall zeitgleich mit ihm auftritt, was darauf hindeutet, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um entweder ein aggressives Zweitprofil von Polenz oder den Klarnamen eines Lobbyisten des aserbaidschanischen Aliyevregimes handelt, das sich ähnlich wie Putin oder Erdogan solcher „Trolle“ im europäischen Raum gehäuft bedient, fallen immer wieder durch ihren Hang zu regelrechten Hexenjagden und polemischer Mundtotmachung auf.

Im März 2013 schoss Polenz verbal in unsachlichster, parolenartiger Weise auf Facebook gegen den jüdischen Publizisten und Holocaustüberlebenden Ralph Giordano scharf.

U.a. im April äußerte er sich auf polemischte Art und Weise gegen die Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali, die ebenso wie Necla Kelek, Hamed Abdel-Samad oder die israelische Politik zu seinen Lieblingsopfern zählt. Argumentativ hat er dabei beinahe nie wirklich etwas zu bieten. Diesen Malus macht er mit Polemik und nicht begründeten Phrasen wett.

Vor einigen Wochen griff er mit Sigrid Herrmann-Marschall eine der Mitveranstalterin der Mahnwachen gegen die, mittlerweile verbotenen, salafistischen „LIES-Stände“ auf der Frankfurter Zeil an (siehe: https://vunv1863.wordpress.com/2015/09/26/ruprecht-polenz-ponyhof-heisst-rotherham/).

Man könnte diese Liste ins schier Unendliche weiterführen und beispielsweise um die über 100 Mitglieder der Facebookgruppe  „In Sorge um Ruprecht Polenz. Missverstandene, blockierte Freunde etc.“ erweitern (siehe dazu: https://etwasanderekritik.wordpress.com/2013/04/01/ruprecht-polenz-der-der-den-verstand-verloren-hat/).

Besonders bezeichnend waren seine Aktionen im Sommer diesen Jahres als er, ebenfalls wie jetzt gegen Frau Vartian, an der Seite diverser UETD-Lobbyisten gegen die Journalisten Deniz Yücel, Hasnain Kazim und Özlem Topçu zu Felde zog (siehe: https://kurmenistan.wordpress.com/2015/06/20/hausturkenreporter-so-sagt-man-lugenpresse-im-stil-der-akp-und-uetd/).

Vartian jedenfalls veröffentlichte am Donnerstag, den 01.Oktober 2015, eine differenzierte Klarstellung, die hier nachzulesen ist: http://www.der-kosmopolit.de/2015/10/madlen-vartian-statement-zur.html.

All das macht das Statement Ali Ertan Topraks, dem Vorsitzenden der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V. zur wahrscheinlich besten Aussage, was die Causa Vartian angeht: „Madlen Vartians Äußerungen sind inakzeptabel und daraus haben der CAF und sie selbst schnell Konsequenzen gezogen. Sie ist zu Recht nicht mehr Sprecherin der CAF. Im politischen Diskurs dürfen wir bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen die Grenzen der demokratischen Streitkultur nicht überschreiten.Unsere Gesellschaft ist eine Wertegemeinschaft, die eine pauschale Abwertung von bestimmten Personengruppen egal aus welchen Gründen konsequenterweise ablehnt. Diese Regel gilt aber für alle Mitglieder unserer Gemeinschaft.

Insofern würde ich mir die gleiche Sensibilität und Empörung, die gegenüber Madlen Vartians inakzeptabeln Äußerungen gezeigt werden, auch gegenüber den türkischen Rassisten und Nationalisten in den Parteien und Verbänden wünschen.

Diejenigen, die jetzt so omnipotent empört sind, sind leider meistens sehr still, wenn es z.B. um die Leugnung des Armeniergenozids durch türkische Rassisten und Nationalisten geht. Zudem wird das christliche Leben gerade im Nahen Osten nahezu ausgelöscht, während Hunderttausende von muslimischen Flüchtlingen in christlichen Ländern Asyl begehren.

Genau diese Frustration hat vermutlich zu dieser Kurzschlussreaktion von Madlen Vartian geführt. Sie ist ein Nachfahre eines Volkes, die Opfer eines Genozids ist. Bis heute wird nicht nur der Genozid an den Armeniern von den meisten Türkeistämmigen geleugnet, sondern wird auch das Wort „Armenier“ als eine Beleidigung im Alltag von normalen Türkeistämmigen bis sogar zum türkischen Staatspräsidenten Erdogan immer wieder benutzt, ohne, dass es dagegen ein ernstzunehmenden Widerstand der Anständigen gibt.
Die Leugnung eines Genozids ist die konsequente Fortführung des Genozids mit anderen Mitteln.

Könnt ihr bitte in Zukunft auch türkischen Rassismus und Nationalismus direkt und mit der gleichen Vehemenz verurteilen oder ist Rassismus nur dann gegeben, wenn nur explizit Türken oder Muslime beleidigt werden. Diese Doppelmoral stört mich bei aller berechtigten Kritik an Madlen Vartian sehr.

Ich wünschte wir würden nicht zwischen guten und bösen Nationalisten unterscheiden. Und da finde ich, sollten gerade Türkeistämmige sich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen. Es ist auch erschreckend wieviele in den sozialen Medien diese Tage einerseits Madlen Vartian kritisieren und ihr Rassismus vorwerfen, aber zu den rassistischen Armenier- und Aleviten- feindlichen Kommentaren und Beleidigungen schweigen. „Wer ohne Sünde ist sollte den ersten Stein werfen!

Wenn Sie weiteren Verifizierungsbedarf bzgl. unserer Ausführungen haben, machen Sie bitte die Probe auf das Exempel, erstellen sich ein Facebookprofil, mit dem Sie sich als Armenier oder Alevite ausgeben, und begeben sich damit in die Kommentarbereiche der o.g. Seiten, wie Deutsch Türkische Nachrichten (DTN), Deutsch Türkisches Journal (DTJ), Deutsch Türkische Zeitung (DTZ), MiGAZIN oder auf die Pinnwand von Ruprecht Polenz oder UETD-Lobbyisten wie Remzi Aru (siehe: https://kurmenistan.wordpress.com/tag/remzi-aru/). Wenn Polenz mit geradezu diebischer Freude auf Vartians Pinnwand betont, Screenshots von einem Statement zu haben, das Vartian nicht leugnet, dann entgegnen wir dass solche in deutlich größerer Zahl existieren, was die Entgleisungen von ihm und seiner Anhängerschaft angeht.

Diejenigen, die jetzt an vorderster Front gegen Vartian mobil machen und ihren Ausschluss aus der Partei fordern, hätten, würden sie mit sich selbst ebenso hart wie mit ihr ins Gericht gehen, schon längst mehrfach ausgeschlossen werden müssen! Wir appellieren an Ihre Integrität als Partei sich in diesem Fall nicht von den, im Text thematisierten, Protagonisten vereinnahmen zu lassen. Wenn sich jemand beim Thema „Hetze“ zurückhalten sollte, dann gerade diese Personen.

 

Wir danken Ihnen sehr für Ihre Zurkenntnisnahme und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

Das Team der Kurmenistan News

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Ein Kommentar zu „Ruprecht Polenz und AKP-Lobbyisten auf Hexenjagd gegen Armenierin: Offener Brief an die CDU

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    habe Ihren Brief an Herrn Polenz und die CDU gerne an angegeben e-mail Adresse geschickt.

    Mit freundlichem Gruß

    Benny Salomon Salz

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