Russische Intervention in Syrien: Hoffnung für Christen und Chance für Kurden

Während die westlichen Medien die russische Intervention nahezu durchweg negativ darstellen, sehen Vertreter der christlichen Minderheiten dies anders. Eine unerwartet positive Wahrnehmung ist auch von kurdischer Seite zu vernehmen.

 

Erzbischof von Aleppo begrüßt russische Luftschläge

In einem Interview mit der französischsprachigen schweizer Rundfunkanstalt RTS begrüßte der Erzbischof von Aleppo die russische Intervention in Syrien. Er gab an, sie diene dem Erhalt der orientalischen Christenheit im Land und sagte wörtlich, sie gäbe den Christen im Land Hoffnung und Vertrauen zurück.

Auf die Frage nach den Kriegsverbrechen des Assadregimes antwortete er, dass diese ohne Zweifel existieren. Dennoch äußerte er Unverständnis über die Position Frankreichs und anderer europäischer Staaten, die anstatt mit Assad zu verhandeln, lieber die islamistischen Milizen gewähren zu ließen.

Aleppo, Syriens zweitgrößte Stadt, grenzt unmittelbar an den kurdischen Kanton Afrin

 

Kurdische Offizielle sieht Chance in russischer Intervention

Ilham Ehmed, Spitzenpolitikerin der kurdischen PYD, der Partei die sich in Rojava (Westkurdistan / Nordsyrien) in den letzten Jahren eine demokratische, autonome Selbstverwaltung geschaffen hat, sieht eine Chance in der russischen Intervention.

In einem Interview mit dem englischsprachigen US-Nahost-Nachrichtenportal „Al Monitor“ gab sie an, Russland habe der kurdischen Partei PYD und ihrem bewaffneten Arm, der YPG / YPJ, eine Zusammenarbeit angeboten. Ilham Ehmed meinte, die russischen Luftangriffe seien eine guter und richtiger Schritt im Kampf gegen dschihadistischen Terror. Zugleich äußerte sie aber Bedenken, da das Regime des Machthabers Assad gestärkt würde.

Entgegen der, in den westlichen Medien vermittelten, Darstellung der US-Regierung und ihrer europäischen Verbündeten, steht für Ehmed fest, dass sich keine moderaten Rebellen in und um Aleppo befinden, die Opfer russischer Luftschläge werden könnten.

Ilham Ehmed, Spitzenpolitikerin der kurdischen Partei "Demokratische Union" (PYD)
Ilham Ehmed, Spitzenpolitikerin der kurdischen Partei „Demokratische Union“ (PYD)

Ehmed bezieht ihre Informationen dazu aus erster Hand. Ein, gut eine Woche alter, Bericht der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ untermauert ihre Aussagen. Die Einheiten der kurdischen YPG / YPJ liefern sich seit Wochen in Aleppo Kämpfe mit den, nicht dem IS / ISIS zugerechneten, Dschihadistenmilizen Al Nusra, Ahrar asch-Scham und der pro-türkischen Liwa Sultan Murad. Der griechisch-orthodoxe Archimandrit Moses Alkhassi ist einer der wenigen verbliebenen christlichen Würdenträger in der zweitgrößten Stadt Syriens. Er sieht keinen Unterschied zwischen den drei o.g. islamistischen Milizen und dem IS / ISIS. Laut ihm habe der „IS“ lediglich mehr Medienpräsenz als beispielsweise die al-Nusra Front oder Ahrar asch-Scham. In der Ideologie und  ihrer unmenschlichen Barbarei unterscheiden sich die Extremisten nicht.

 

Auch USA umwerben Kurden wieder

Auch die USA umwerben nun wieder die kurdischen Einheiten der YPG / YPJ und ihre aramäisch-assyrischen Verbündeten, den MFS. Laut einem Bericht des Spiegel liegt das daran, dass sich ihr Projekt, selbst syrische Rebellen ausbilden zu wollen, als Grab für 500 Millionen US-Dollar erwiesen hat. Statt der erwarteten 5000 Kämpfer haben lediglich 5 das Projekt durchgeführt. Nun wolle man seitens des US-Verteidigungsministeriums wieder YPG / YPJ und MFS unterstützten. Im Frühsommer diesen Jahres hatten die USA als Zugeständnis gegenüber der Türkei für die Benutzung des Luftwaffenstützpunktes İncirlik die Unterstützung für die, auf dem Vormarsch befindlichen, kurdischen Einheiten, die gerade Tall Abyad (Girê Spî) erobert hatten, auf ein Minimum an Luftunterstützung reduziert. Der Vormarsch der kurdischen Einheiten wurde gestoppt, und die erwartete Offensive auf Ar-Raqqa (Rakka), die Hauptstadt des IS / ISIS, fand in Folge des US-Kurswechsels nie statt.

In der Tat könnten sich die russischen Angriffe also als strategischer Glücksfall für die Kurden und ihre christlichen Verbündeten erweisen. Es deutet vieles darauf hin, dass sie sowohl für Russland als auch wieder für die USA einen wichtigen Partner darstellen. Wie die Ereignisse des Sommers zeigen, ist jedoch ein gesundes Misstrauen angebracht, um nicht wieder fallen gelassen zu werden.

 

 

Quellen

RTS (Radio Télévision Suisse)

http://www.rts.ch/info/monde/7152390-l-archeveque-d-alep-poutine-sert-la-cause-des-chretiens-en-syrie.html

ekurd.net / Al Monitor

http://ekurd.net/pyd-russia-wants-work-kurds-2015-10-09

Spiegel Online

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-usa-stoppen-ausbildung-fuer-rebellen-a-1057092.html

Gesellschaft für bedrohte Völker

https://www.gfbv.de/de/news/kampf-um-aleppo-7703/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s