AGA: Offener Brief an deutschen Außenminister

Der Verlagsleiter Helmut Donat-Freiherr von Bothmer und der Präsident des EXIL-PEN Deutschsprachiger Länder, Prof. Dr. Wolfgang Schlott, wandten sich in einem Offenen Brief an Dr. Frank-Walter Steinmeier. Anlass waren die wiederholten skeptischen Äußerungen des Außenministers gegen eine parlamentarische Beschlussfassung zum osmanischen Völkermord an über drei Millionen Christen. 2015 hatte das Auswärtige Amt, gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt, verhindert, dass zum 100. Jahrestag des Gedenkens an den Beginn des Genozids an den Armeniern der Bundestag eine Beschlussvorlage der Großen Koalition verabschieden konnte.

Der Bremer Appell wurde von 33 weiteren Autor_innen, Wissenschaftler_innen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mitunterzeichnet.

Sehr geehrter Herr Minister Steinmeier,

es empört uns, wie seit über einem Jahr im Deutschen Bundestag die Anerkennung des Genozids am armenischen Volk sowie an den aramäisch-sprachigen und griechisch-orthodoxen Christen thematisiert wird. Sie selbst haben gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ von „Völkermord“ als einem möglichen Begriff gesprochen. Auch hat das Europäische Parlament die türkische Regierung erneut aufgefordert, die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anzuerkennen. Ebenso Papst Franziskus. Des Weiteren hat es Bundespräsident Joachim Gauck als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland in seiner Rede vom 23. April 2015 im Berliner Dom getan. Wir bitten Sie, einfach seinem Beispiel zu folgen.

Wer oder was drängt Sie, hinter diese historische Einsicht und moralische Bewertung zurückzufallen? Die Regierung oder der mit Ihrem Amt verbundene Apparat, der sich in der Armenien-Frage stets an die Seite der offiziellen Türkei gestellt hat?

Als Politiker und Bundesaußenminister sind Sie nicht nur verantwortlich für das, was Sie tun, sondern auch für das, was Sie verhindern oder in Ihrem Namen verhindert wird. Das Auswärtige Amt macht sich unglaubwürdig, wenn es weiter gegen die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern durch den Deutschen Bundestag votiert. Statt der seit langem von der historischen Forschung aufgedeckten Wahrheit zu folgen und die Würde der Opfer und Überlebenden zu achten, befleißigen Sie und Ihr Amt sich, das Bestreben der türkischen Regierung unterstützend, den Genozid zu leugnen.

Sie begeben sich damit in den Dunstkreis einer Tradition, die an monarchistische Denkweisen und Methoden erinnert. Ihre Haltung und die Erklärungen des Auswärtigen Amtes muten an wie jener realpolitische Zynismus, den etwa Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg an den Tag gelegt hat. Als der deutsche Botschafter Graf Paul Wolff-Metternich zur Gracht ihn im Dezember 1915 aufforderte, endlich gegen die Armenier-Massaker des türkischen Verbündeten vorzugehen, antwortete er: „Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht. Bei länger andauerndem Kriege werden wir die Türken noch sehr brauchen.“
[…]
Weiter im Link:

http://www.aga-online.org/news/detail.php?locale=de&newsId=627

 

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