Civaka Azad: *Die Verweigerung des Vergessens in Zeiten verordneter Amnesie

Anlässlich der Jahrtausendwende nahm der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano das »niemals proklamierte Recht zu phantasieren« in Anspruch und richtete seinen Blick auf eine andere, eine gerechte Welt. Eine Welt, »in der in Argentinien die Verrückten von der Plaza de Mayo ein Vorbild für geistige Gesundheit sein werden, weil sie sich weigern zu vergessen in den Zeiten der verordneten Amnesie«. Diese von Galeano als verrückt Bezeichneten sind argentinische Mütter, deren Töchter und Söhne unter der faschistischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 entführt, gefoltert, ermordet wurden und letztlich unter ungeklärten Umständen »verschwanden«. Seit dem 30. April 1977 halten die »Mütter des Platzes der Mairevolution« einmal wöchentlich am Donnerstagnachmittag eine Protestkundgebung ab auf dem zentralen Platz in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.
So wie fast der gesamte lateinamerikanische Kontinent in den 1970er und 1980er Jahren von durch die USA direkt unterstützten faschistischen Militärinterventionen und -putschen gekennzeichnet war, lassen sich auch in der Türkei und in Nordkurdistan bei einer Betrachtung der letzten fünfzig Jahre systematische Menschenrechtsverletzungen und -verbrechen feststellen. In diesem Kontext sind insbesondere zwei historische Momente von Bedeutung: der Militärputsch vom 12. September 1980 und der von Seiten des türkischen Staates praktizierte »schmutzige Krieg« angesichts der zunehmenden Verankerung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der kurdischen Gesellschaft in den 1990er Jahren.

 

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