Arte: Zu Tisch in Armenien

Armenien ist ein noch immer nahezu unbekanntes Land. Es liegt an der Grenze zwischen Europa und Asien im Kaukasus, zwischen der Türkei und Aserbaidschan, zwischen Georgien und dem Iran. Erst seit 20 Jahren ist Armenien unabhängig, zuvor gehörte es zur Sowjetunion. Die meisten Armenier leben heute nicht mehr im eigenen Land. Sie sind über die ganze Welt verstreut. Zu Familienfesten und an religiösen Feiertagen kommen sie jedoch in ihre Heimat und feiern mit den Verwandten. „Zu Tisch in …“ hat sich dazu eingeladen und schaut bei der Zubereitung der traditionellen Festtagsspeisen zu.

Sos Karapetyan wohnt mit seiner Frau Melanya und den drei Kindern in Orgov, einem Bergdorf im Norden Armenien. Wie viele Bauern versorgt sich auch die Familie Karapetyan mit Gemüse, Obst und Fleisch selbst. Milch für Joghurt, Butter oder Käse bekommen sie von ihren drei Kühen, Fleisch von den beiden Schweinen und Hühnern, Honig von den Bienenstöcken, die sie seit kurzem haben. Was sie nicht für sich brauchen, verkaufen sie auf dem Markt in der Hauptstadt Jerewan.

Mitte August finden das Fest der Gottesmutter Maria und das Weintraubenfest statt. Jede armenische Familie opfert an diesem Tag ein Stück Fleisch, oft ein Lamm, das sie mit Verwandten und Bekannten teilen. Das Tieropfer ist in Armenien noch ein weit verbreiteter Brauch. Es geht auf heidnische und frühchristliche Bräuche zurück. Die armenisch-apostolische Kirche hält diese Überlieferung am Leben.

Aus dem Fleisch des Fettschwanzschafes bereitet die Familie Chaschlama und Chorováts – typische armenische Lammgerichte – zu. Chorováts ist das Hauptgericht, wenn es etwas zu feiern gibt. Gesalzene und gepfefferte Lammstücke werden mit Kartoffeln aufgespießt und in den armenischen Allzweckofen, den Tonir, einem in die Erde eingelassenen Lehmofen, gehängt und gegrillt. Tage vorher haben die Frauen der Familie und aus der Nachbarschaft im Tonir Lavash, hauchdünnes Brot, und Gata, eine Nachspeise aus Hefeteig, gebacken.

Nach der Segnung des Tieropfers durch einen Priester und der Zubereitung der Speisen kommt die Großfamilie zum gemeinsamen Essen zusammen. Es ist ein wichtiger Tag für die Karapetyans. Ob aus dem Ausland, der Stadt oder dem Dorf – heute haben sich alle in dem Garten unter Walnussbäumen versammelt. Manchen, der in die Fremde gezogen ist, überkommt die Sehnsucht nach der Heimat, weil es hier vielleicht doch etwas gibt, was er woanders vermisst.

„Zu Tisch in …“ reist in verschiedene Regionen Europas und schaut bei der Zubereitung traditioneller Gerichte zu. Die Küchenkultur europäischer Landschaften offenbart ihren Reichtum und weckt Verständnis für eine vielleicht fremde Lebensart.

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