ZVW: Gespräch mit einem ernüchterten Flüchtling

Der Kurde Baban Ali floh im vergangenen Jahr aus Syrien nach Deutschland – die Zeit hier hat seinen Blick verändert: auf Europa, den Kontinent der Freiheit; und auch auf manche der eigenen Landsleute, denen die Grenzen zwischen Religiosität und Islamismus zu verschwimmen drohen. Gespräch mit einem Ernüchterten.
[…]
Ali ist Kurde, er bewundert die Ideale der europäischen Aufklärung mit einer Inbrunst, die wir von all der selbstverständlichen Demokratie und Meinungsfreiheit Verwöhnten längst verlernt haben. Religion, findet Ali, „ist nur etwas zwischen dir und Gott“. Du bist Christ, Muslim, Jude, Atheist, isst Rind oder Schwein? Das geht allein dich etwas an. Aber manche in der Unterkunft hätten Mitbewohner wie ihn als „Kufr“ geschmäht, „Ungläubige“; hätten strenge Fragen gestellt – „warum hasst ihr Kurden nicht mit uns die Juden?“ –, Forderungen erhoben – „hört auf, Alkohol zu trinken!“ – und religiösen Hochmut gepflegt – „unsere Religion ist die wahre!“
In Deutschland gibt es Architektinnen, Polizistinnen, Ärztinnen; manche seiner muslimischen Landsleute aber sähen in ihnen allen „nur Frauen“. Er habe hier einen getroffen, den er aus Syrien kannte. Dort „war er Architekt, er trank und lebte frei“, hier sei er zu einem strenggläubigen „Botschafter Gottes“ geworden. „Manchmal bin ich schockiert. Sie akzeptieren nicht diese Kultur, die sie aufgenommen hat.“
[…]

 

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