Civaka Azad: Desinformationskampagne der Türkei gegen die Selbstverwaltung in Rojava kommt in deutschen Medien an

Mit Bedauern mussten wir in den letzten Tagen feststellen, dass immer mehr Medien in Europa die türkische Berichterstattung gegen die demokratische Selbstverwaltung in Rojava/Nordsyrien in diffamierender Weise in ihren Worten wiedergeben. Dabei geht es vielen Journalisten nicht darum, unterschiedliche Meinungen zur Situation in Nordsyrien und zum Konzept der Demokratischen Autonomie an die Öffentlichkeit zu tragen, sondern darum, dass offensichtliche Falschbehauptungen von erfahrenen Kriegsberichterstattern wie Christoph Reuter im Spiegel in Umlauf gebracht werden.

Weiter im Link:

http://civaka-azad.org/desinformationskampagne-der-tuerkei-gegen-die-selbstverwaltung-in-rojava-kommt-in-deutschen-medien-an/

 

Will Jürgen Todenhöfer Posen und Elsaß-Lothringen „Heim ins Reich“ holen?

Kaum ein anderer Publizist und Facebookpromi macht in den letzten Jahren so viel von sich Reden wie Jürgen Todenhöfer. Dabei sind er und seine Fangemeinde nie um sich stetig steigernden, menschenverachtenden Geschichtsrevisionismus verlegen!

Ein zwischen dem 26.03.2016 und dem 05.04.2016 mehr als 800.000 Mal angesehenes Video markierte jüngst einen neuen Gipfel der Geschichtsfälschung und Täter-Opfer-Umkehr (siehe:https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/videos/10153602021380838/).

Das Video besteht aus einer willkürlichen Aneinanderreihung von meist falschen Behauptungen ohne Einbettung in historische Kontexte. Darin verharmlost bzw. bewirbt Todenhöfer türkischen und arabischen Kolonialismus. Er polemisiert gegen Interventionen anderer Staaten. Diese Form der Geschichtsfälschung ist unerträglich! Um auf alle willkürlich aneinander gereihten Punkte, die Todenhöfer aufzählt einzugehen, müsste man ein ganzes Buch schreiben. Im Folgenden gehen wir auf vier exemplarisch ausgewählte historische Lügen des Jürgen Todenhöfer ein.

Beispiel 1: Jürgen Todenhöfer, der heimliche Verfechter der alten Kolonialreiche!

Bei Todenhöfer heißt es:

1918 – 1923 Osmanisches Reich: Zerschlagung und Aufteilung unter den Siegermächten des Ersten Weltkriegs.

Was Todenhöfers verschweigt ist, dass das Osmanische Reich zu diesem Zeitpunkt nicht nur an der Seite des deutschen Kaiserreichs und Österreich-Ungarns gekämpft hatte, sondern auch noch einen Völkermord an insgesamt mehr als 2 Millionen Christen (Armenier, Assyrer / Aramäer / Syro-Chaldäer, pontische und ionische Griechen) sowie mehreren zehntausend jesidischer Kurden beging. Dass es seine Kolonien weggenommen bekam, war nur allzu logisch. Schließlich verloren alle Kriegsverlierer okkupierte Gebiete. So wurden z.B. die slawischen Völker des Balkans in die Unabhängigkeit von Österreich-Ungarn entlassen.

Das deutsche Kaiserreich verlor u.a. Posen, Westpreußen und Elsaß-Lothringen. Weil Todenhöfer die Verluste der meisten osmanischen Kolonien als antimuslimische westliche Aggression bezeichnet, muss man ihm im Umkehrschluss unterstellen, dass er die Unabhägigkeit der Balkanstaaten als unrechtmäßig betrachtet, und von einem deutschen Reich träumt, dass sich polnische und französische Gebiete wieder einverleibt.

Irgendwie passt das zusammen, bedenkt man dass Deutschland bereits vor 100 Jahren mit dem Osmanischen Reich verbündet war. Todenhöfer verschweigt letztgenanntes direkt und sein Geburtsland indirekt. Er outet sich also als Befürworter dieses genozidalen Bündnisses.

Beispiel 2: Die Halbwahrheit von der griechischen Aggression

Bei Todenhöfer heißt es:

1919 – 1922 Osmanisches Reich: Militärischer Angriff durch Griechenland.

Richtig ist zwar, dass das erst seit kurzer Zeit unabhängige Griechenland einen offen Krieg suchte, den es nur verlieren konnte und auch verlor. Dieser zog sich allerdings nicht, wie Todenhöfer behauptet von 1919 bis 1922, sondern von 1921 bis 1922 (siehe: http://www.regis-net.de/krieg/griet%FCrk.html)

Was Todenhöfer aber nicht erwähnt ist die Vorgeschichte

Nachdem nämlich vorher von 1912 an, fast eine 3/4 Million pontische und ionische Griechen von den Osmanen im Rahmen des bereits angesprochenen Völkermords abgeschlachtet wurden, ist die Behauptung Todenhöfers in ihrer Wortwahl reinste Propaganda und Geschichtsfälschung.

Auch vom „Massaker von Smyrna“ hat Todenhöfer offenbar noch nichts gehört.

Daher möchten wir mit dem Text des Historiker Lou Ureneck (Wer ist das:http://www.bu.edu/com/about-com/faculty/lou-ureneck/), dessen Buch „The Great Fire“ hier vorgestellt wird: http://www.smyrnafire.com/ aufklären.

smyrna-massacre
Bild:  

The Armenian Genocide Museum Institute http://www.genocide-museum.am/eng/photos/smyrna-34.jpg

 

Der 19. September 1922 in Smyrna, dem heutigen Izmir: Der Hafen und das Ufer sind voll mit mehreren zehntausend Flüchtlingen. Jede Nacht bahnen sich berittene türkische Soldaten ihren Weg durch die Menschenmassen, um junge Frauen aus ihr herauszugreifen.

Ein nicht enden wollendes Klagen der Hilflosigkeit und des Leids war aus der Mengen zu vernehmen. Aus diesem Klagen erheben sich ständig und immer wieder Schreie. Die alliierten Schiffe im Hafen versuchen die Flüchtlinge zu beruhigen, indem sie ihre Scheinwerfer auf das Ufer richteten, um die türkischen Soldaten zu verscheuchen.

Dieses alptraumhafte Detail stammt aus Ernest Hemingways (siehe:https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Hemingway) bekannter Kurzgeschichte „On the Quay at Smyrna“ (An den Ufern Smyrnas / Izmirs). Hemingway selbst war niemals in der Stadt. Er erfuhr von den dortigen Zuständen aus den Erzählungen eines britischen Offiziers, der gerade von dort nach Konstantinopel (Istanbul) zurückgekommen war.

In Hemingways Kurzgeschichte heißt es außerdem: „Das Schlimmste, sagte er, waren die Frauen mit den toten Babys. Sie hatten Babys bei sich, die bereits sechs Tage tot waren. Jedoch würden sie sie niemals aufgeben. Es gab nichts, was man dagegen hätte tun können. Ich musste sie ihnen letztendlich wegnehmen.“

In derselben Nacht feierte Mustafa Kemal Atatürk seinen Sieg auf einer Party. Latife Hanum, die neue Frau an seiner Seite faszinierte ihn, und während das Leid der Flüchtlinge sich fortsetzte, tanzte er die ganze Nacht mit ihr.

 

Beispiel 3: Gute Osmanische Besatzer, böse Briten und Franzosen

Bei Todenhöfer heißt es:

1920 – 1946 Libanon: Französische Besatzung.

1920 – 1946 Syrien: Französisch-Syrischer Krieg und Besatzung.

1920 – 1948 Palästina: Britische Besatzung.

Die Osmanische Besatzung war also laut Todenhöfers Logik gut, während die britischen und französischen Mandate böse waren!

Was für eine Logik!

Tatsächlich waren die Mandate Frankreichs und Großbritanniens notwendig, um die nicht-sunnitischen Minderheiten die erst von Sultan Abdul-Hamit und dann von den Jungtürken systematisch und massenhaft umgebracht wurden, zu schützen.

Syrien und der Libanon boten gerade Armeniern und Aramäern / Assyrern / Syro-Chaldäern wichtige Rückzugsorte, wovon noch heutige Bevölkerungsanteile zeugen. Sie mussten durch die britischen und französischen Mandate geschützt werden.

Die Rettung armenischer Genzidüberlebender durch Franzosen beschreibt z.B. Franz Werfel in „Die vierzig Tage des Musa Dagh“.

Die Massaker und Progrome an Juden im heutigen Israel erwähnt Todenhöfer ebenso wenig.

Beispielsweise während des „Hebron-Massakers“ am 23. August 1929, das unter dem Zeichen des muslimischen Schlachtrufs, „das Gesetz Mohammads wird mit dem Schwert durchgesetzt“ stand, kamen 67 jüdische Zivilisten ums Leben. In Safed wurden zur selben Zeit 45 Juden ermordet, insgesamt wurde durch das vom Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, dem unumschränkten Führer der „Palästinenser“, inszenierte Blutvergießen in diesen Tagen 133 Juden ermordet und 339 verletzt. Viele arabische Einwohner in Hebron versteckten ihre jüdischen Nachbarn, so dass einige Juden das Massaker überlebten. (siehe:https://fidelchescosmos.wordpress.com/2011/05/15/vom-zerfall-des-%E2%80%9Eosmanischen-reiches%E2%80%9C-bis-zur-grundung-israels/)

4. Beispiel: Todenhöfer verteigt den Giftgasmörder von Halabdscha

Bei Todenhöfer heißt es:

2003 – 2011 Irak: Krieg und Besetzung durch USA, Großbritannien und die „Koalition der Willigen“.

Hier wird also seitens Todenhöfer der Sturz des Diktatoren Saddam Hüseyin verurteilt.

Dass dieser am 16.03.1988 beim Massaker von Halbdscha 8.000 Kurden durch Giftgas töten lies, ist Todenhöfer und seinen Fans egal. Ausgrechnet jene, die sich über Bilder toter und verletzter palästinensischer Kinder empören, verhöhnen mit ihrer gezielten Desinformationen, die kurdischen Opfer Saddam Husseins.

 

Es ist schlimm zu lesen, dass immernoch unglaublich viele Menschen auf Todenhöfer hereinfallen!

Todenhöfer betreibt Geschichtsfälschung im großen Stil.

Aron Sperber weist zurecht darauf hin, dass er durch seine Propaganda, die bei Facebook täglich mehr als 2 Millionen Menschen erreicht, zur Radikalisierung junger Muslime beiträgt (siehe: https://www.fischundfleisch.com/aron-sperber/autochthone-hassprediger-deutscher-muslime-18743)

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuerliche Geschichtsfälschung: Türkei verlegt Gedenken an die Schlacht Gallipoli (Çanakkale) vor – Völkermordsgedenken soll so verhindert werden

Der Gedenktag für die in der Schlacht von Gallipoli gefallenen zwischen 250.000 bis 350.000 Soldaten ist der 25. April. An diesem Datum startete 1915 gegen 4.30 Uhr morgens die gescheiterte Invasion vor allem australischer und neuseeländischer Soldaten, die zusammen mit Briten und Franzosen gegen die osmanischen Streitkräfte und deren verbündete Soldaten des deutschen Kaiserreiches innerhalb der unter Befehl der von Otto Liman von Sanders stehenden 5. osmanischen Armee kämpften.

 

100 Jahre nach Gallipoli und 100 Jahre nach dem Völkermord

Doch dieses Jahr soll alles anders werden. In diesem Jahr jährt sich ein historisches Verbrechen ebenfalls zum hundersten Mal, der Völkermord des Osmanischen Reiches an 1,5 Millionen Armeniern, 350.000 bis 500.000 Aramäern / Assyrern / Syro-Chaldäern, 500.000 pontischen und ionischen Griechen sowie ca. 70.000 Kurden jesidischen Glaubens. Der symbolische Gedenktag für diesen ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts, der gleichzeitig die Blaupause für den Genozid der Nazis an Europas Juden darstellt, ist der 24. April. An diesem Tag wurde 1915 die intellektuelle Elite der Armenier Istanbuls, der man die Organisation eines Widerstands zutraute, hingerichtet.

In der Türkei wird trotz der Tatsache ,dass es sich um einen internationalen historischen Konsens handelt, bis heute geleugnet, dass ein Völkermord vorliegt.

Grafik für den symbolischen Gedenktag anlässlich des Genozids an den Minderheiten des Osmanischen Reich. Sie zeigte das Zentrum der Gedenkstätte Tsitsernakaberd in der armenischen Hauptstadt Jerevan.

Aufgrund der symbolträchtigen Zahl 100, die die beiden Gedenkveranstaltungen gemein haben, hatte man seitens der türkischen Regierung eine glorreiche Idee. Man beschloß kurzerhand eine weitere Gemeinsamkeit zu kreiren. So verlegte man den Gedenktag für die Schlacht von Gallipoli, an dem traditionell die Staatschefs des Vereinigten Königreichs, Australiens, Neuseelands sowie ranghohe Repräsentanten des britischen Königshauses teilnehmen, erstmals seit seiner Durchführung um einen Tag nach vorne. Diesmal will man es richtig wissen, und lud gleich 100 Staats- und Regierungschef, unter ihnen ironischerweise auch der Armenier Serj Sarkissjan, dazu ein. Der armenische Präsident lehnte diese Aufforderung dem Volkstrauertag des eigenen Landes fern zu bleiben, natürlich ab.

 

Honi soit qui mal y pense – Ein Schelm, wer da Böses denkt

Es ist nur allzu offensichtlich, dass es sich hier, anders als in einem Artikel der Zeitung „Welt“ von 20. Januar beschrieben, nicht um eine Versöhnungsgeste, sondern um einen Versuch handelt, dass Gedenken an die Opfer des Genozids zu torpedieren. Diplomatische Gepflogenheiten und Etikette stellen die Druckmittel auf die eingeladenen Staatschefs dar, deren Präsenz das Medienecho der weltweiten Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Völkermordes übertreffen soll.

Robert Fisk schreibt dazu eine, am 19. Januar veröffentlichte, ausführliche Analyse für „The Independent“ in englischer Sprache. Sie trägt den Titel „Das hundertjährige Gallipoligedenken ist ein beschämender Akt, um den Holocaust an den Armeniern zu verbergen“. Der Artikel beschreibt die Forschungsstand und entlarvt diesen Versuch der türkischen Regierung ebenso wie klassische Argumente der Leugnungsindustrie, die nach Fisk denen deutscher Rechtsextremer bzgl. der Shoah auf erschreckende Weise ähneln.

Er kann in englischer Sprache unter folgendem Link nachgelesen werden: http://www.independent.co.uk/voices/comment/the-gallipoli-centenary-is-a-shameful-attempt-to-hide-the-armenian-holocaust-9988227.html

 

https://i0.wp.com/www.atour.com/media/images/news/aahgn/united/20140511-USA-California-LosAngeles--Armin-Wegner-The-Genocide-Photographer/20140511-USA-California-LosAngeles--Armin-Wegner-The-Genocide-Photographer.jpg
Werbung für einen Dokumentarfilm über den deutschen Fotografen Armin T. Wegner, der die Greuel des Genozids an den Minderheiten im Osmansichen Reich mit Bildern dokumentierte. (Bild: http://www.atour.com/media/images/news/aahgn/united/20140511-USA-California-LosAngeles–Armin-Wegner-The-Genocide-Photographer/20140511-USA-California-LosAngeles–Armin-Wegner-The-Genocide-Photographer.jpg)

Antisemitische Verschwörungen und IS-Sympathie: Durch Charlie Hebdo fällt die Maske der AKP

Die rhetorischen Rundumschläge türkischer AKP-Politiker nehmen kein Ende. Traditionellen Feindbildern wie Kurden, Armeniern oder Griechen die Schuld an den Massakern von Paris zu geben, wäre zu dubios und würde vermutlich keine Beachtung finden. Also versucht man zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Einerseits bindet man die eigene Wählerschaft stärker an sich, erntet weitere Sympathien in der arabischen Öffentlichkeit, und macht sich außerdem noch zum Sympathieträger einer immer stärker werdenden rechts- linksradikalen, im Antisemitismus vereinten Querfront in Mittel- und Nordeuropa. Das erreicht man, indem ein anderes beliebtes Feindbild herhalten muss: Israel.

 

Kleine Presseschau

In einem Bericht von „Israel Heute“ heißt es:

„Die türkische Regierung setzt ihre verbalen Attacken gegen Israel und ihre Regierung fort. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat seinen israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu mit den islamistischen Terroristen von Paris verglichen.“

(http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/28131/Default.aspx)

 

Zuvor hatte Ahmet Davutoğlu die PEGIDA-Demonstranten mit der mordenden Armee des IS verglichen, und wie seit der Machtübernahme der AKP immer wieder, ob ein Anlass besteht oder nicht, „dem Westen“ Islamophobie vorgeworfen.

 

Die „Junge Welt“ schreibt zur aktuellen antisemitischen Stimmungmache und Doppelzüngigkeit der AKP:

»Wir als Muslime standen niemals auf der Seite des Terrorismus, wir standen niemals auf der Seite von Massakern«, behauptete Erdogan, während der IS bei seinen Angriffen auf Syrien weiterhin von türkischem Territorium aus operieren kann und dort über Infrastruktur wie Krankenhäuser und Ausbildungscamps verfügt.

Der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökcek, wiederum sieht den israelischen Geheimdienst Mossad als Drahtzieher der Anschläge, die er als Vergeltungsaktion für die Entscheidung der französischen Nationalversammlung, den Staat Palästina anzuerkennen, begreift. Dies sei ein Versuch, den Hass gegen Muslime in Europa weiter anzuheizen, so der AKP-Politiker.

In einigen islamistischen Kreisen der Türkei wurde offene Sympathien für die Pariser Attentäter geäußert. So wurden in der Stadt Tatvan am Vansee die von der französischen Polizei getöteten Brüder Said und Chérif Kouachi, die das Massaker in der Charlie Hebdo-Redaktion begangen hatten, in Aushängen der Stadtverwaltung als »Märtyrer« gefeiert. »Grüße an die Kouachi-Brüder, die Rache für den Propheten Allahs genommen haben«, heißt es dort. Die von der AKP gestellte Stadtverwaltung weigerte sich laut einer Meldung der kurdischen Nachrichtenagentur Bestanuce trotz empörter Reaktionen aus der Bevölkerung, die Plakate abzunehmen.

Urheber der namentlich nicht gekennzeichneten Plakate könnte eine der religiösen Bruderschaften sein, auf die sich die AKP stützt.

(https://www.jungewelt.de/2015/01-15/004.php)

 

Israel gibt Kontra, Merkel sitzt aus

In Deutschland befeuern der AKP nahe stehende Blogs und Medien wie die Deutsch Türkische Zeitung, kurz DTZ, mit Artikeln wie „Die Ungereimtheiten der Charlie Hebdo Morde“ von Ali Yildirim, die antisemitischen Verschwörungstheorien, um die hiesige türkischstämmige Bevölkerung auf Regierungskurs zu halten. Außerdem sollen so neue Fans in der immer größer werdenden Community der selbsternannten Medienkritiker gewonnen werden, die sich auf jede noch so schwammige Verschwörungstheorie stürzt, in der, egal wie fadenscheinig und schwach die Argumente auch seien mögen, bloß dem Feindbild Israel bzw. dessen Geheimdienst, dem Mossad die Schuld an allem Übel auf der Welt gegeben wird. Der ansonsten ähnlich agierende deutschsprachige Ableger der türkischen Zeitung Zaman, Sprachrohrs der Sekte um Fetullah Gülen, Deutsch Türkisches Journal, kurz DTJ, sieht bislang von solchen Verschwörungstheorien ab, was augenscheinlich am Zwist zwischen Gülen und Erdoğan liegt.

Es bleibt zu hoffen, dass Israel seine Lehren aus der nunmehr fast fünf Jahre andauernden Antikampagne der AKP-Regierung ziehen wird, und in Zukunft von jedweder Beteiligung an der Bekämpfung der kurdischen Freiheitsbewegung, wie z.B. bei der Entführung Abdullah Öcalans oder den Drohnenangriffen von 2007 auf kurdische Stellungen in Rojava (Westkurdistan / Nordsyrien), absieht.

Netanjahu und Liebermann jedenfalls reagierten, wie schon im Sommer (https://kurmenistan.wordpress.com/2014/07/19/klage-gegen-turkische-kriegsverbrechen-in-zypern-in-den-haag-eingereicht/) mit klaren Worten in Richtung Ankara. Sie legten damit eine Konsequenz an den Tag, die der, trotz aller Attacken, weiterhin auf Schmusekurs mit Ankara befindlichen Bundeskanzlerin weierhin fern ist. Sie legt gegenüber AKP-Repräsentanten und Lobbys eine extrem devote Zurückhaltung an den Tag, während sie gleichzeitig immer häufiger rhetorische Salven in Richtung Kreml abfeuert.

 

 

Empfehlenswertes Video zum Thema:

„Rayk Anders nimmt Verschwörungstheorien über Charlie Hebdo auseinander“

https://plus.google.com/+DuhastdiemachtDeofficial/posts/B6RTmtB8TFX

„Heuchlerisch und unverschämt“: Facebookseite Killuminati ∆ verhöhnt Solidarität mit Opfern der Pariser Anschläge

Wieder einmal haben die im Ruf, Verbindungen zu salafistischen Kreisen zu haben, stehenden Betreiber der Facebookseite „Killuminati ∆“ offenbart, wessen Propaganda sie verbreiten. Dabei unterlief ihnen, wie so oft ein Lapsus, der mal wieder ihre Doppelmoral offenbart. Die Seite ist bekannt für ihre antisemitischen Beiträge sowie für die inflationäre Verbreitung von abenteuerlichen zumeist auf Fotomontagen und unseriösen Tertiärquellen beruhenden Verschwörungstheorien.

 

Die Ideologie hinter Killuminati ∆ 

Der Name ist angelehnt an das 1997 erschienene Album des ermordeten US-Rappers Tupac Amaru Shakur, auch 2PAC genannt. Damit ködert man erfolgreich Fans des Gangsta-Rap der 1990er Jahre. Die Seite hat aber in Realität nichts mit ihm und seinem Weltbild zu tun.

Wir berichteten bereits im Rahmen ihrer Hasstiraden gegenüber dem Mainzer FDP-Politiker und humanitärem Helfer für Flüchtlinge in den Kurdengebieten, Tobias Huch (siehe: https://kurmenistan.wordpress.com/2014/10/12/is-isis-bekommt-unterstutzung-von-der-deutschsprachigen-facebookseite-killuminati-%E2%88%86-tobias-huch-im-visier/) darüber.

Des Weiteren weisen wir auf Folgenden Bericht eines ehemaligen Administrators der Seite hin:

„Ja es sind Islamisten. Salafisten bzw. „Abou Nagie“ Sektenanhänger aus Nürnberg sogar, um genau zu sein. Deshalb wirst du auch dort niemals etwas kritisches zum Islam finden.

Ich kenne die meisten Admins von Killuminati, da ich selber mal die Seite mit administriert habe. Ich habe die Seite aber dann verlassen, als der Gründer der Seite aus Mekka zurück kam und mit der Zeit zunehmend radikaler wurde. Außerdem hatte ich auch kein Bock mir den Mund zu bestimmten Themen verbieten zu lassen.

Die Regeln waren:

  • Keine Kritik zum Islam (den Islam nie ins schlechte Licht rücken, nie über Gräueltaten von islamistischen Terroristen berichten.)
  • Keine Kritik zum Salafismus, bzw. das Wort Salafist auch nie benutzen, da das Wort, so der Gründer der Seite, von den Medien erfunden wurde, um die muslimische Einheit zu zerbrechen 😀
  • Nichts über die „Völkermord an den Armeniern“ berichten. (Der Admin ist ein türkischer Salafist 😉

Die Seite bzw. das Gedankengut dieser Leute ist auf jedenfall extrem gefährlich, weshalb ich auch davon ausgehe, dass der BND da ein Auge drauf hat.

Mit Ken Jebsen und den anderen aufgezählten Typen hat das wirklich nichts zu tun.“ (http://www.gutefrage.net/frage/killuminati–islamisten)

 

Alle sind Verbrecher, nur der Ahmet nicht…is klar, Killus….

Nun also, nachdem die Seite zunächst die Opfer von Paris verhöhnte, auf falschen Behauptungen beruhenden krude Verschwörungstheorien zu den Massakern von Paris in die Welt setzte, um die eigene Ideologie zu verteidigen und zu verbreiten, unterlief ihr folgender Lapsus, der deutlich zeigt, wessen Anhänger sie sind. Dieser Fehltritt bestätigt die oben angeführten Aussagen des ehemaligen Administrators ein weiteres Mal.

Die Facebookseite „Gemeinsam gegen die ISIS“ kommentiert dies folgendermaßen:

Heuchlerisch und unverschämt!

Der Administrator von der Killuminati Seite (Erdoğan-Anhänger) hat vergessen, den türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu zu markieren. Als in Syrien, Irak und Kurdistan tausende Frauen verschleppt, versklavt und verkauft wurden, hat der all so „Gerechtigkeit bewusster“ Killuminati, der über 500.000 followern auf seiner Seite hat, die Klappe gehalten. Als die ISIS Terroristen in den Türkischen Provinzen Gaziantep und Adıyaman in den Trainingscamps ausgebildet wurden und immer noch werden, um hinterher nach Syrien und Irak Geschickt zu werden, hielt der Administrator wieder die klappe. Als die Menschen in Kobanê mit selbsterbauten Panzern und Schrotflinten in den Widerstand zogen, um ihre Heimat und stolz gegen den „Islamischen Staat“ zu verteidigen und parallel dazu Türkische Soldaten an der grenze zu Syrien, kurdische Kinder erschossen, war von dem Heuchler wieder nichts zu hören.
Lasst euch von solch Idioten nicht beeinflussen. Klar gibt es übergroße Oligarchen die in Tausendzimmer Palästen leben, wie Bsp. Erdoğan. Das alles hat jedoch was mit Kapitalismus zu tun und nicht mit irgendwelchen „Satansanbetenden Geheimlobbys“.

Bild: https://www.facebook.com/1455782671361187/photos/a.1455791844693603.1073741827.1455782671361187/1537414379864682/?type=1&theater

 

Links:

Wie die Verschwörungsindustrie die Opfer von Paris und die Solidarität mit ihnen verhöhnt:

1.) http://observers.france24.com/fr/content/20150113-theories-conspirationnistes-charlie-hebdo-demontees-complot-retroviseur-menotte-coulibaly?ns_campaign=reseaux_sociaux&ns_source=FB&ns_mchannel=social&ns_linkname=observateurs&aef_campaign_ref=partage_aef&aef_campaign_date=2015-01-14

2.) http://blog.tagesschau.de/2015/01/13/die-verschwoerung-von-paris/

Erster Neubau einer Kirche in der Türkei seit 100 Jahren ist ein PR-Gag auf Kosten der Minderheiten

Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. TV, Presse und Spitzenpolitiker überschlagen sich mit Lob. Die türkische Regierung hat angekündigt, in Istanbul den ersten Neubau einer Kirche seit 100 Jahren veranlassen zu wollen.

Eine bloße Ankündigung, die ihre Wirkung nicht verfehlt, obschon noch gar nichts passiert ist. Sie schafft es, dass die Türkei nun aufgrund einer eigentlichen Selbstverständlichkeit als Hort der Toleranz und Religionsfreiheit gefeiert wird. Was damit in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt wird, fragen sich die Wenigsten. Es ist ohnehin viel lustiger sich zu freuen und Witze über eine fiktive „Tükida gegen die Christianisierung der Türkei“ zu reißen, ohne sich mit der Geschichte der christlichen Minderheiten zwischen Bosporus und Euphrat zu beschäftigen, die so alt ist wie das Christentum selbst.

Wer mal wieder in den Mainstreammedien nicht zu Wort kommt, und, wie gewohnt, von der Spitzenpolitik nicht gehört wird, das sind diejenigen, um die es doch vordergründig bei diesem Vorhaben gehen soll: Die mit allen negativen rechtlichen Folgen teilweise nicht einmal als Minderheiten anerkannten, nicht-sunnitischen Religionsgemeinschaften auf türkischem Staatsgebiet.

 

Sinn und Unsinn des angekündigten Baus der Kirche in Istanbul

Die Zeiten, in denen man die erdrückende Indizienlast für eine Unterstützung des IS durch den türkischen Staat (http://www.counterpunch.org/2014/11/11/turkey-is-supporting-isis/), die Ankündigung der Türkei das Urteil des europäischen Menschrechtsgerichtshofs zu ignorieren, und die Religionsfreiheit der Aleviten weiterhin durch verpflichtenden sunnitisch geprägten Religionsunterricht zu untergraben (http://alevido.de/2/73/tuerkei-ignoriert-urteil-des-egmr-zur-religionsfreiheit/), das Festhalten der Türkei an der Nicht-Anerkennung von aramäischen und alevitischen Gemeinden und Vereinen als juristische Personen, was eine permanente Bedrohung durch Zwangsentsenteignung darstellt (http://www.igfm.de/news-presse/aktuelle-meldungen/detailansicht/?tx_ttnews[tt_news]=2786&cHash=3b3de1c525a648b370e80f2b5fdf029f), etc., ansprechen konnte, scheinen mit einem bloßen Satz vorbei.

In sozialen Netzwerken liest man dann außerdem immer wieder das Argument, es gäbe ja schließlich viel mehr Kirchen pro Kopf der christlichen Bevölkerung der Türkei als Moscheen pro Kopf der muslimischen Bevölkerung in Deutschland. Dass dieses Verhältnis durch eineinhalb Jahrhunderte Massaker, Unterdrückung und Vertreibung (http://www.igfm.de/tuerkei/christen-in-der-tuerkei/) zustande gekommen ist, und so die Zahl der Kirchen pro Kopf natürlich höher ist, ist eine simple Rechenaufgabe. Stellten christliche Völker vor dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts, also vor ziemlich genau 100 Jahrhundert Jahren, noch gut 30% der Bevölkerung im anatolischen Kernland des Osmanischen Reiches, beträgt ihr Anteil an der Bevölkerung der heutigen Türkei aus o.g. Gründen nur noch ca. 0,1 %.

Kaum einer stellt sich die Frage warum diese Kirche gerade jetzt angekündigt wird, warum eine Kirche für die 12.000 in Istanbul lebenden Aramäer und nicht auch gleichzeitig eine für die 50.000 Armenier der Stadt gebaut werden soll, oder was dieser Neubau überhaupt für einen Sinn macht, wären doch eigentlich im Land genug Kirchen bereits vorhanden, die nicht genutzt werden oder durch den Staat enteignet wurden.

Warum soll eine neue Kirche gebaut werden, wenn es bereits genügend Kirchen und Klöster gibt, die man einfach nur den Gemeinden zurückgeben könnte. Das wäre als Geste viel wertvoller und wahrscheinlich auch wirtschaftlicher. Nein, davon sieht man ab. Schließlich könnte dies Forderungen nach endgültiger Rechtssicherheit und einer Gesetzesänderung für Aramäer und Aleviten seitens ihrer Verbände oder des Auslands nach sich ziehen. Außerdem wäre dies weniger öffentlichkeitswirksam und könnte gleichzeitig eine unangenehme Konfrontation mit der eigenen Geschichte bedeuten.

Bild aus der im Sommer 2014 von einem türkischen Filmteam niedergebrannten griechisch-orthodoxen Mariä Himmelfahrt Kirche in Nevsehir Bildquelle und Artikel dazu: https://kurmenistan.wordpress.com/2014/09/26/turkische-tv-produzenten-lassen-griechische-kirche-niederbrennen/

 

Stimmen zur Ankündigung der türkischen Regierung

Drei Stimmen von Vertreterinnen und Vertretern authochtoner Minderheiten der Türkei, denen Politik und Medien eigentlich zu diesem Thema Raum bieten sollten, dies aber nicht tut, äußern sich auf Facebook wie folgt:

 

Die alevitische Autorin und Frauenrechtlerin Serap Cileli schreibt :

„Das muss man Erdogan lassen. In diplomatischen Angelegenheiten bewegt er sich zwar oft wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, doch was politische Inszenierungen und Dramaturgie angeht, verdient er den Oscar. Erneut beweist er, wie man schon allein mit der Ankündigung(!) EINES kirchlichen Neubaus, nach fast 100-jährigem Bestehen der türkischen Republik, international Applaus ernten kann. Der Neo-Osmane Erdogan führt das Millet-System wieder ein und alle erliegen dem Traum einer religiösen Gleichberechtigung. Bravo! Was keinem dabei auffällt ist, dass dieses Vorhaben nicht der größten christlichen Minderheiten, den Armeniern versprochen wurde, sondern den aramäischen Christen. Was auch als politisches Signal an die Armenier und die Anerkennung der Aghet zu deuten ist.“ (https://www.facebook.com/Serap.Cileli/photos/a.153687358030611.37329.103246373074710/784319908300683/?type=1&theater)

 

Die Rechtsanwältin und stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland e.V. (ZAD) äußert sich wie folgt:

„Da ist der Türkei ein richtiger PR-Coup gelungen! Allein die Ankündingung eines Kirchenbaus reicht aus, um ein solches wohlwollendes Echo in der westlichen Medienwelt auszulösen. Das Selbstverständlichste auf der Welt (Kirchenbau) wird hier zu einem Großereignis an Fortschritt und Toleranz stilisiert. Wie erbärmlich ist das eigentlich?!“

 

Das beeindruckendste Statement kommt vom Aramäer und humanitären Helfer für durch den IS vertriebene Flüchtlinge „Mike Malke“. Er trifft den Nagel gleich mehrfach auf den Kopf, wenn er schreibt:

„Die Türkei erlaubt, dass eine Kirche gebaut wird?

Jetzt wo sich der Völkermord an den Assyrern/Aramäern, Armeniern, Pontosgriechen und Eziden zum 100. Mal jährt, erlaubst du liebe Türkei, dass eine Kirche gebaut wird? Perfektes Timing…

Liebe Türkei, gib uns stattdessen die tausende von Kirchen zurück die du uns weggenommen hast und lass die Finger von unseren Klöstern!

Liebe Türkei, erlaube es uns endlich wieder Priester ausbilden zu lassen!

Liebe Türkei, du willst den Christen helfen?

Wie wäre es wenn du die Hilfsgüter nach Syrien und Irak durchlässt und die ISIS aufhältst?

Bisher handelst du umgekehrt!

Liebe Türkei, du willst den Opfern helfen?

Wie wäre es wenn du Krankenhäuser für die Opfer bereitstellst und die Täter aufhältst?

Bisher handelst du umgekehrt!

Liebe Türkei, du erlaubst, dass eine Kirche gebaut wird?

Ich will dieses „Geschenk“ nicht haben!“

 

Es bleibt festzuhalten, dass diese Ankündigung vor allem einen Nutznießer hat. Das ist einzig und allein die türkische Regierung inklusive ihrer Lobbyverbände im Ausland.

Wir haben es weder, wie es z.Zt. verbreitet wird, mit einem Zeichen der Toleranz zu tun noch bringt die Ankündigung, egal ob sie in die Tat umgesetzt wird oder nicht, die aramäischen Christen der Türkei auch nur einen Steinwurf näher zu Rechtssicherheit oder gar Gleichberechtigung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Der Wolf hat in der Tat Kreide gefressen. Ein Wolf bleibt er aber dennoch.

Jürgen Todenhöfer hält kurdische YPG im Kampf gegen die Mordbanden des IS für nicht erwähnenswert

Er hat es wieder getan. Jürgen Todenhöfer, Meister der unsachlichen und historisch wie auch sozialwissenschaftlich unwahren, aber leider extrem öffentlichkeitswirksamen, Emotionalisierungen, macht ein weiteres Mal deutlich, wessen Politik er propagiert.

Nicht nur, dass er sich mit Mordbanden einer Gruppierung mit klaren genozidalen Absichten trifft, um diese in den nächsten Wochen – um dies zu wissen, muss man kein Prophet sein – zu verharmlosen, und so mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Opfer deren Massaker, post mortem zu verhöhnen. In seiner für ihn charakteristischen emotionolasierenden Art schreibt im dritten Absatz seines Facebookbeitrags vom 16. Dezember 2014 (https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/photos/a.10150173554135838.304529.12084075837/10152639383885838/?type=1&theater):
„Ich habe diese schwierige Reise nicht unternommen, weil Papst Franziskus kürzlich gefordert hatte, man müsse auch mit dem IS sprechen. Sondern weil ich seit über 50 Jahren immer mit allen Seiten spreche. In Syrien sprach ich – von einigen Schreibtischstrategen heftig kritisiert – mit Präsident Assad, aber auch mit Al Qaida und der FSA. In Afghanistan mehrfach mit Präsident Karsai und mit Führern der Taliban. Und während des Irakkrieges mit der schiitischen Regierung des Irak und mit dem sunnitischen Widerstand.

Dieses Zitat lässt sehr tief blicken. Wieder einmal ignoriert er die kurdischen Verteidungskräfte YPG und Peshmerga. Damit macht er zum wiederholten Male deutlich, dass er keine Thematisierung des Schicksals der vorwiegend Kurden, aber auch der ebenso in den beiden militärischen Einheiten für ihre Freiheit kämpfenden Turkmenen, Armenier, Aramäer / Assyrer / Chaldäer, Drusen und vorwiegend katholischen Araber und Nusayrinaraber wünscht. Seine Fangemeinde nimmt dies wie immer kritiklos hin.

Wir veröffentlichten darüber bereits diese Artikel:

1.) https://kurmenistan.wordpress.com/2014/08/11/jurgen-todenhofer-kennt-kein-mitgefuhl-fur-kurden-schiiten-und-christen/

2.) https://kurmenistan.wordpress.com/2014/09/08/jurgen-todenhofer-diskreditiert-erneut-den-kurdischen-kampf-gegen-isis-is/

Er behauptet mit allen Seiten zu sprechen und erwähnt, vermutlich mit voller Absicht die einzige Kriegspartei, die die Prinzipien der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Volksgruppen und Religionen (sunnitische Muslime, schiitische Muslime, Yêzîdîn, Aleviten, orthodoxe Christen, Drusen, Katholiken) konsequent umsetzt, nicht!

Erinnert man sich an diesen Artikel (https://kurmenistan.wordpress.com/2014/10/05/rebwar-rashed-nein-zur-turkischen-pufferzone-in-westkurdistan/), fallen schnell Parallelen zur Politik eines prominenten ISIS-Unterstützerstaates auf.

Diejenigen, die Todenhöfer ignoriert: Zwei auf Seiten der kurdischen YPG im Kampf gegen den IS gefallene assyrische Kämpfer. Foto: https://www.facebook.com/683325698358636/photos/a.683328488358357.1073741827.683325698358636/893603763997494/?type=1&theater

Ausgerechnet Todenhöfer, der immer wieder dem Westen eine „Teile und Herrsche – Politik“ vorwirft, outet sich immer wieder als glühender Verfechter des Beibehalts der Sykes-Picot-Grenzen. Also Grenzen, die vor hundert Jahren von ehemaligen Kolonialmächten nach einem lupenreinen „Teile und Herrsche – Prinzip“ gezogen wurden.

Der Wolf im Schafspelz gibt vor friedlich zu weiden. Liest man jedoch zwischen den Zeilen, stellt man schnell fest, dass er wieder feste zugebissen hat. Er holt nun zu seinem nächsten Meisterstück aus, und wer seine ihm blind folgenden Groupies, kennt, weiß, dass er Erfolg haben wird.

Es ist zu befürchten, dass auf seiner Facebookseite mehr noch als ohnehin schon, in den nächsten Wochen die Absicht des ISIS ganze Völker und Religionsgemeinschaften in der Region auszurotten, salonfähig gemacht werden wird. Dazu wird er seine gewohnte Mittel einsetzen, Emotionalisierungen, schockierende Bilder, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt und alibimäßig eingestreute  und dem selben Schema folgenden Beiträge über die Lage im Gazastreifen.

Seine nadelstichartig gesetzten Seitenhiebe gegen die kurdischen Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegungen sowie deren Verbündete und Unterstützer im Sommer und Spätsommer waren, so scheint es, die Vorhut, für seine jetzige Aktion.

Ob er sich Anfang der 1940ern auch mit den Nazis oder in den 1970ern mit den Roten Khmer getroffen hätte? – Wahrscheinlich lautet die Antwort ja!

Türkischer Nachrichtensender „Haber Ay“ schreibt auf Facebook von „jüdisch-armenischer Verräterbrut“

Am 20. August diesen Jahres veröffentlichte der türkische Nachrichtensender „Haber Ay“ auf seiner Facebookpräsenz das unter folgendem Link abrufbare Foto (https://www.facebook.com/haberaycom/photos/a.323611434331071.95340.290188687673346/961450340547174/?type=1&pnref=story)

Ein kurdischer Aktivist wirbt mit einem Transparent für die armenisch-kurdische Völkerverständigung. Der Sender torpediert dies mit einer aufs Übelste rassistischen Bildbeschreibung und bekommt dafür 1717 "Gefällt mir - Klicks"
Ein kurdischer Aktivist wirbt mit einem Transparent für die armenisch-kurdische Völkerverständigung.
Der Sender torpediert dies mit einer aufs Übelste rassistischen Bildbeschreibung und bekommt dafür 1717 „Gefällt mir – Klicks“

Auf dem Bild sieht man einen kurdischen Aktivisten, der eine Stickerei mit dem Schriftzug „Wenn unsere Mutter Kurdin ist, ist unser Vater Armenier“ in die Kamera hält.

Der in Antalya ansäßige Sender versieht dieses mit einer durch und durch rassistischen Beschreibung, die uns die Sprache verschlägt:

„Wer sich so ablichten lässt, ist kein „Kurde“. Wer sowas macht, ist bestimmt ein ehrenloser Armenier. Sind sind Verräter, glaubt solchen Armeniern nicht und haltet euch von ihnen fern…“

Im populärsten Kommentar, den der Administrator des Senders selbst verfasst hat, geht der Sender sogar einen Schritt weiter, spricht wortwörtlich von „armenisch-jüdischer Brut“, auf deren Spaltungsversuche gegenüber der „türkisch-kurdischen Brüderlichkeit“ sich die Zuschauerschaft nicht die einlassen solle.

Ein bekannter TV-Sender mit beinahe 1,7 Millionen Facebookfans, also beinahe fünf Mal soviel wie die Tagesschau, erhält 1717 Gefällt-Mir-Angaben für diesen Beitrag, der 39.222 geteilt wurde, und somit ein Millionenpublikum erreicht haben dürfte.

Kritik liest man unter dem Beitrag kaum, und wenn dann wird sie meist mit Beleidigungen quittiert, die wiederum Zuspruch erhalten.

Hier handelt es sich um einen weiteren traurigen Beweis, wie tief verankert und weit verbreitet Rassismus und Empfänglichkeit für Verschwörungstheorien bei einem beträchtlichen Teil der türkischen Gesellschaft sind.

Mord an serbischem Basketballfan wird von Kommentatoren auf DTJ (Deutsch Türkisches Journal) verherrlicht!

Es geht um folgenden Sachverhalt: „Türkei: Unglaubliche Provokationen von Galatasaray-Anhängern!“

„Nachdem ein Galatasaray-Hooligan kürzlich einen Roter Stern Fan in Istanbul ermordete, sorgen die Fans des türkischen Clubs nun für unglaubliche Provokationen. Wegen des Mordes am 25-Jährigen Roter Stern Fan Marko Ivkovic, wurde bei allen Basketballspielen zum Anfang eine Schweigeminute abgehalten, um öffentlich die Trauer bezüglich des tragischen Zwischenfalls in Istanbul zu bekunden. Beim Basketballspiel zwischen Galatasaray und Besiktas kam es während dieser Schweigeminute zu einen beschämenden Zwischenfall. Während die Trauerminute in der Basketballarena abgehalten wurde, pfiffen Anghänger des türkischen Clubs Galatasaray Istanbul auf den Tribünen. Sie schämten sich anscheind nicht, dass einer ihrer Anhänger den 25-Jährigen aus einem Hinterhalt erstochen hat. Während dieses beschämenden Zwischenfalls versuchte der Trainer von Galatasaray Ergin Ataman die Gala-Fans zu beruhigen, doch vergebens.“

(den ganze Artikel mit Beweisvideos und Bildern ansehen: http://www.serbiennachrichten.com/index.php/sport/1223-tuerkei-unglaubliche-provokationen-von-galatasaray-anhaengern-video-foto)

 

 

…und so reagiert man beim DTJ seine Fans auf den Tod des serbischen Basketballfans

Der folgende Screenshot spricht mal wieder Bände und beweist auf ein Neues, dass sich das Who-Is-Who der türkischen Rassisten im deutschsprachigen Raum u.a. auf DTJ tummelt.

Mordaufrufe gegen Serben bei DTJ

Auch der Link zum Facebookpost beweist das stereotype rassistische Verhalten des Publikums auf dieser Plattform. Wie schon im wieder im Bezug auf den Genozid an Armeniern, Aramäern / Assyrern, Griechen und Yêzîdîn, die Kurdenmassaker sowie die zahllosen Repressionsmaßnahmen gegen Minderheiten im späten Osmanischen Reich und der türkischen Republik wird nicht gescheut, das Opfer zum Täter zu erklären, unwahrheitsgemäße Gerüchte zu streuen und die Mörder zu glorifizieren. Hier der Link zum Facebookposting:  https://www.facebook.com/DTJONLINE/posts/604900412949649

Der Verfassungsschutz sollte endlich verstärkt gegen solche Plattformen und ihr Publikum vorgehen. Was dort vor sich geht, ist Rassismus in seiner reinsten Form. Täglich sind dort eindeutige Rechtverstöße gegen insbesondere §130 StGB (Volksverhetzung) zu lesen, die sich in zumeist rassistischen Ausbrüchen gegen die o.g. authochtonen Minderheiten der Türkei und Verherrlichung der Verbrechen gegenüber ihnen äußert. Des Weiteren erlebten wir aber im Sommer diesen Jahres auf der Facebookpinnwand des u.a. DTJ eine Welle von antijüdischer Hetze und Verschwörungstheorie, die man so seit 60 Jahren in Deutschland nicht mehr gesehen hatte. Nun trifft es die Serben.

Sie bleiben jedoch skandalöserweise meist ungeahndet! Wie viel Gülen- und AKP- Schmiergelder stecken in der deutschen Politik, die den Staats- und Verfassungschutz hier offenbar am Aktivwerden hindert?

Ausgerechnet eine solches Magazin mit derartiger Gefolgschaft besitzt heute die Frechheit den hiesigen Medien und der Mehrheitsgesellschaft „Islamophobie“ vorzuwerfen. Nun wir lassen uns einmal kurz auf deren Niveau herab und entgegnen: „Kehrt vor der eigenen Haustür! Zu tun habt ihr genug!“ – Wer sich einmal zu oft als notorischer Opfer darstellt, ist meist der schlimmste Täter!

Erdoğan und Kolumbus: Geschichtsfälschung ist eine türkische Spezialität

Die kruden Thesen Recep Tayyip Erdoğans bezüglich der Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch muslimische Seefahrer sind derzeit in aller Munde.

Während mehrheitlich der verdiente Spott geerntet wird, gibt es aber auch aus dem sunnitisch-konservatischem und türkisch-rechtsradikalen Lager nicht wenig blinde geschichtsverdrossene Zustimmung.

Die Behauptung Erdoğans ist nicht neu. Sie stammt aus dem Jahr 1996 und geht zurück auf den radikal-sunnitischen Islamwissenschaftler Youssef Mroueh. Der wahren Kern bildet ein Schreiben von Bartholome de Casas, in dem er das Profil eines Hügels mit der Kuppel einer Moschee vergleicht. Dass Kolumbus nicht wirklich der Entdecker Amerikas war, ist unter Geschichtswissenschaftlern unbestritten. Mit ihm begann lediglich die Kolonialisierung. Lange vor ihm und auch vor dem Datum, das Erdoğan in den Raum stellt, waren in jedem Fall bereits Wikinger und wahrscheinlich auch frühe irische Mönche dort.

Aus den geomorphologischen Eigenschaften eines Hügel die Existenz einer Moschee auf dem amerikanischen Kontinent in präkolonialer Zeit zu konstruieren, ist zugegebenermaßen einer der harmloseren Streiche türkischer Regierungen in den letzten eineinhalb Jahrhunderten, steht aber in einer Tradition oft diskriminierender und menschenverachtender Geschichtsfälschung, wie sie sonst nirgendwo auf der Welt zu finden ist.

Die Tradition reicht von Leugnung und Umkehr des Opfer-Täter-Verhältnisses des Völkermords an den Armeniern, Aramäern / Assyrern, pontischen und ionischen Griechen und kurdischen Angehörigen der yêzidîschen Religion, den Massakern an mehreren hunderttausend Kurden zwischen 1930 und 2011, den Thrakienprogromen an den Juden von 1934, dem Istanbulsprogrom von 1955 über die in offizieller türkischer Literatur befindlichen Behauptungen Kurden seien eigentlich „Bergtürken“ und Angehörige nicht-sunnitischer Minderheiten seien „Vaterlandsverräter“ bis hin zur Entfernung lateinischer Tierbezeichnungen, die auf Kurdistan oder Armenien hinweisen, in türkischen Biologiebüchern.

 

Bei allem berechtigten Hohn und Spott. Die Behauptung Erdoğans steht in einem traurigen Kontext.